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Alte Spinnerei Murg

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Datei:Alte Spinnerei.jpg
Alte Spinnerei – Historische Aufnahme

Die Alte Spinnerei Murg ist eine ehemalige Spinnerei in Murg am Walensee, die von 1836 bis 1996 in Betrieb war. Nach der Schließung wurden die ehemaligen Fabrik- und Lagerhallen umgenutzt, unter anderem für ein Hotel, zwei Restaurants, Lofts, Ateliers, Gewerberäume und Werkstätten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Um das Jahr 1815 herum ergibt sich im Rahmen technischer Umwälzungen (Industrialisierung) auch in der Schweiz ein gesellschaftlicher Wandel von der ursprünglichen Manufaktur und Heimarbeit zu einer Fabrikindustrie. Der Kanton Glarus wird zu einem der industrialisiertesten Gegenden Europas. Auch in Murg findet sich mit der Wasserkraft des Murgbachs ein geeigneter Standort. 1836 wird die Spinnerei Murg durch Othmar Blumer aus Glarus mit finanzieller Unterstützung kapitalkräftiger Basler gegründet.

Weitere Etappen des Spinnereibetriebs erfolgten

  • 1837: Inbetriebnahme des Spinnereigebäudes. Es wird von Zeitgenossen als eine der grössten Bauten dieser Art in der Schweiz bezeichnet.
  • 1848: Installation der ersten Turbine durch Escher, Wyss & Cie anstelle eines Wasserrades.
  • 1861: Das Hauptgebäude wird durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört.
  • 1864: Inbetriebnahme der Spinnerei nach dem Wiederaufbau (heutige Grund-struktur). Weiterer Ausbau und verbesserte Nutzung der Wasserkraft.
  • 1900: Konstituierende Generalversammlung für die Gründung einer Aktiengesellschaft. An die Spitze des Unternehmens gelangt Cosmus Schindler-Dorer, ein angeheirateter Verwandter, der es versteht, in sehr schwierigen und mageren Jahren zwischen 1900 und 1950 den Betrieb beständig auszubauen. Grosszügige soziale Werke und Fürsorgeeinrichtungen für die Mitarbeiter werden eingerichtet. Mehrere schwere Depressionen können den Ausbau der Fabrikanlage nicht verhindern.
  • 1946: Dem vorgängigen Rohstoffmangel folgt ein Mangel an Arbeitskräften. Italienische Arbeiterinnen bringen Entlastung. Für sie wird eigens das «Mädchenheim» renoviert.
  • 1950: Anlässlich des 50. Jubiläumsjahres der Spinnerei Murg AG heisst es in der Jubiläumsschrift: «Die Perspektiven sind nicht eben verheissungsvoll. Das Unternehmen wird nach wie vor einen Grossteil seiner Produktion im Ausland absetzen müssen und von der Entwicklung des Handels mit dem Ausland hängt sein Schicksal ab».
  • 1950ff: Nach dem Tod von Cosmus Schindler übernehmen dessen Enkel Hans Peter und Heinrich von Ziegler die Geschäftsführung, die sie bis 1992 innehaben.
  • 1970ff: Es wird weiter investiert, die Spinnerei wird stets mit den neuesten und produktivsten Maschinen ausgerüstet, um im harten Wettbewerb existieren zu können. Die Kapazitäten werden ausgebaut, ein neuer Fabrikteil wird Ende der 70er-Jahre erstellt. Ausserdem werden für die Mitarbeiter moderne Wohnungen errichtet.
  • 1989: Ein neues Lagerhaus im Dorfkern wird erstellt. Weitere Investitionen in Maschinen und eine Erneuerung des Kraftwerkes am Murgbach stehen an. Gleichzeitig öffnet sich der Osten Europas: Die Textilindustrie beginnt abzuwandern. Ein Expansions-Projekt nach Portugal muss gestoppt werden.
  • 1990ff: Die Globalisierung bringt eine Verlagerung der Arbeitsplätze zuerst in der Konfektion, dann werden immer mehr Webereien und Strickereien verlegt. Die Kunden der Spinnereien wandern nach Osteuropa, später nach Asien ab. Es ist nicht mehr möglich, rentabel zu produzieren und es besteht keine Hoffnung auf Erholung, da es sich bei der Abwanderung nicht um einen wirtschaftlichen Zyklus, sondern um eine globale Umwälzung handelt. Der stärkere Schweizerfranken belastet die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich.
  • 1992: Dieter von Ziegler, Sohn von Heinrich, übernimmt die Geschäftsleitung. Kooperationen mit indischen Spinnereien werden aufgebaut, um dem Globalisierungsdruck Rechnung zu tragen.
  • 1996ff: Nach einer wechselvollen Geschichte wird der Spinnereibetrieb in Murg eingestellt, ein Teil des Liegenschaftenbestandes wird verkauft und die Maschinen liquidiert. Der wichtigste Arbeitgeber im Dorf muss die Tore schliessen.

Umnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datei:Lofthotel.jpg
lofthotel Murg

Die alte Spinnerei wurde nach der Schliessung 1996 etappenweise umgebaut. Dafür wurde in der Planungsphase die Vision einer gemischten Nutzung entwickelt. Die azireal AG fungierte als Arealentwicklerin, Bauherrin, teilweise Bauleiterin sowie als Verkaufs- und Verwaltungsorganisation. Im Jahr 2002 entstand in der ehemaligen Sägerei am Walensee das Restaurant sagibeiz, das später mit dem Betrieb sagisteg ergänzt wurde. In der 1. und 2. Etappe im «Altbau» (Baujahr 1836, 1862) entstanden Lofts, das lofthotel, Ateliers, Gewerberäume und Werkstätten. In der 3. Etappe wurde der «Neubau» aus den 70er-Jahren in Lofts, Ateliers, Tennis-/Eventhalle, Wellness- und Fitnessbereich sowie Garage umgenutzt. Verschiedene Zwischenbauten wurden parallel dazu renoviert.

  • 2000: Besitzerwechsel: Dieter und Esther v. Ziegler entschliessen sich, die Aktien aus dem grösseren Familienumfeld zu übernehmen. Neuanfang mit dem Ziel, die Industrie- und Gewerbeliegenschaften einer neuen Nutzung zuzuführen.
  • 2001: Ein erster Leitplan in Zusammenarbeit mit den Behörden und der Denkmalpflege entsteht.
Restaurant sagibeiz
  • 2002: Eröffnung der sagibeiz. Untergebracht ist sie direkt am Walensee, in der ehemaligen Sägerei, die später von der Spinnerei Murg AG als Lager genutzt wurde. Das ehemalige Industrieareal wird in eine Wohn- und Gewerbezone überführt.
  • 2004: Die sagibeiz erhält einen Bootssteg für Privat- und Gesellschaftsschiffe. Es finden regelmässig kulturelle Veranstaltungen statt.
  • 2005: Im Januar trifft die Baubewilligung für das Projekt Umnutzung Spinnerei Murg ein. Es beinhaltet eine Rückbildung auf die Ursprungsfassade, der grosszügige Balkone vorgesetzt werden. Mit der Ortsgemeinde Murg wird eine Holzschnitzelheizung für das Areal geplant. Neue Firmen können angesiedelt werden.
  • 2006: Beginn der 1. Bauetappe (ca. 5500 m2 Nutzfläche). Spatenstich und Grundsteinlegung erfolgen im Beisein von Regierungsrätin Heidi Hanselmann.
  • 2007: Beginn der 2. Etappe. Die ersten Lofts werden verkauft und können bezogen werden.
  • 2008: Eröffnung des lofthotel und Fertigstellung der 2. Etappe.
  • 2009/2010: Die Baubewilligung für die 3. Etappe trifft ein. Erste Ausstellungen in der loftgalerie (Markus Gisler, Elvira Steuer, Susanne Bodmer, Gian Häne, Patrick Kaufmann).
  • 2011: 3. Etappe, Jahr des Bauens: Der Neubau (70er-Jahre-Halle) wird einer neuen Nutzung zugeführt, ebenso diverse Nebengebäude.
  • 2012: Die Spinnerei Murg feiert ihr 175-jähriges Jubiläum. Das Areal wird mit dem Architekturpreis «Roter Nagel» ausgezeichnet. Der Wellness-Bereich, ein Fitnessraum sowie die öffentlich nutzbare Tennis- und Eventhalle werden vollendet. Im Eingangsbereich des lofthotels entsteht ein neuer Lounge- und Café-Bereich.
  • 2014: Alle umgenutzten Gebäudeteile sind verkauft oder vermietet. Die Planung für die Renovation des Mädchenheims wird gestartet. Der Verein seekultour wird gegründet.
  • 2015: Das ehemalige Putzereigebäude wird neu genutzt: Die Swiss Textile Collection zieht im Mai 2015 ein.

Die azireal AG beteiligte sich seit 2013 an der vergleichbaren Umnutzung der Textilfabrik Stoffel in Mels.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alte Spinnerei (Murg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 47° 6′ 44,4″ N, 9° 12′ 59,8″ O; CH1903: 734932 / 219456

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