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Oberschicht Dresdens

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Dresdens Oberschicht ist die Sammelbezeichnung für die gesellschaftlichen-funktionalen Eliten aus verschiedenen Sozialgruppierungen, darunter Adelige, Beamte und Bürger Dresdens im kursächsischen Staat, im Königreich Sachsen und in der Moderne. Ihre Zusammensetzung und Sozialstruktur variierte, unterlag und unterliegt starken demografischen Einwirkungen.

Oberschichtengruppen Dresdens[Bearbeiten]

Das Schichtengefüge der Dresdner Oberschicht zerfiel in weitere Unterschichten und Milieus mit eigenen funktions-, Handlungs, und Denkweisen. Folglich ist der Begriff Dresdner Oberschichten die genauere Bezeichnung. Ein formelles öffentliches Amt konnte dem Amtsträger die Zugehörigkeit zur Oberschicht eröffnen. Zugehörigkeiten gründeten aber auch auf Geburtsrechten und den ökonomischen Verhältnissen. Vertreter der Oberschicht mussten sich den Umgang mit der Stadtelite leisten können. Austausche zwischen den Untergruppierungen fanden statt. Es gab Verhaltensnormungen, die die Oberschicht von der Mittelschicht und der Unterschicht klar abgrenzte. Auf Distinktion legten Oberschichtsvertreter Wert, um ihre Kulturform erhalten zu können. Abgrenzungen nach unten erfolgten auf Basis negativer Wertzuschreibungen (Pöbel, Plebs). Die Unterschicht orientierte sich an die Dresdner Mittelschicht und diese kupferten Verhaltensweisen ab, die sie sich von der Oberschicht abschauen konnten. Dies gelang jeweils da, wo es Berührungs- und Überschneidungspunkte gab, wie im Festwesen, der Mode, gesellschaftliche Umgangsformen, Aktivitäten (Flanieren) zum Beispiel. Die Dresdner Oberschicht repräsentierte die Avantgarde der Stadtgesellschaft. Sie gab die gesellschaftliche Entwicklung vor, denen alle unteren Schichten folgten. Diese Funktion und Kompetenz zur Gestaltung von Institutionen, denen untere Schichten als Mitglieder beitraten (z. B. Unternehmen, gesellschaftliche Vereinigungen), machte sie erst zur gesellschaftlichen Führungs- und Oberschicht. Für diese Zwecke hatten auch Vertreter von Kunst, Kultur und höheren Bildungseinrichtungen Zutritt, die aufgrund ihrer Spezialisierung die Führung ihres Gesellschaftsfeldes inne hatten. Die inidividuellen ökonomischen Verhältnisse bildeten folglich nur einen zugangsvoraussetzenden Faktor von vielen.

Eine homogene dominierende Subgruppierung hat es in Dresden nicht gegeben. Der Adel wies in der Gesamtzahl als auch in der Bedeutung für die Oberschicht den höchsten Einfluss in der Gruppierung auf. Großindustrielle erweiterten das Oberschichtengefüge ab dem späten 19. Jahrhundert. Damit verbürgerlichte sich das Oberschichtenauftreten zunehmend.

Es handelte sich um ein organisches Gefüge. Es unterlag damit Schwankungen die aus Tod, Geburt, Fortzüge, Zuzüge, ökonomischen Veränderungsprozessen ständigen Schwankungen unterlagen. Statistisch klare Mengen- und Verteilungsangaben sind aufgrund der lückenhaften Sozialdatenerhebungen der Vergangenheit nur annähernd und vereinzelt möglich.

Gruppen:

Dresdens Oberschicht im zeitlichen Verlauf[Bearbeiten]

Saturnusfest: Seitliche Ansicht des Paradeplatzes. Rechts der Saturnustempel mit der Hochzeitgesellschaft, links der illuminierte Weißeritzhang.

Vom 16. Jahrhundert bis 1918 war Dresden Residenzstadt und Ort herrschaftlicher Repräsentation. Es gab seit dem Mittelalter wie andernorts auch ein städtisches Patriziat um den Stadtrat. Seit der Zunahme der herrschaftlichen Bedeutung Dresdens durch die Frühneuzeitliche Staatsbildung im 16. Jahrhundert wirkte auch in zunehmender Zahl der hohe Adel und bürgerliche Intelligenz über Hofämter direkt am sächsischen Herrscherhof. Amts- und Behördenbildungen verstärkten den gesellschaftlichen Differenzierungsprozess. Zivilisation und Hochkultur fanden vermehrt Verbreitung und ein empfangsfähiges Publikum. Die sächsischen Kurfürsten versuchten den Adel ganz Sachsens nah am Hof in Dresden zu binden um ihn so besser unter Kontrolle zu halten. Der Hofstaat stieg ab dem 17. Jahrhundert markant an und gehörte zu den größten im deutschen Raum. Es bildete sich die Schicht des Hofadels. Opulenz, Repräsentation wurden typisch im Augusteischen Zeitalter. Hoffeste wie das Saturnusfest gewannen überregionale Bekanntheit. Künstler und Kulturschaffende aus ganz Europa zogen nach Dresden und wirkten dort an den zahlreicher werdenden Kultureinrichtungen, die der Hof förderte. Die Stadt und seine Bevölkerung profitierte stark von dieser Form der Zivilisationsförderung, zum Beispiel in Form von repräsentativen Bautätigkeiten und damit verbundene konjunkturelle Belebung als auch die Schaffung eines höheren Luxusgewerbes für zahlungskräftigere Kundschaft. Die soziale Differenzierung der städtischen Gesellschaft vor allem nach oben stieg dadurch selbstverstärkend an. Die höchsten Vertreter der sächsischen Adelsklasse erwarben oder errichteten in Dresden eigene herrschaftliche städtische Palais. Dazu gehört das Kurländer Palais.

Das kulturelle Kapital der Stadt stieg dadurch stark an. Auch im 19. Jahrhundert blieb der Glanz einer zwar bescheidener gewordenen, aber doch fortdauernden fürstlichen Repräsentation. Der sächsische Hof mit seinen weiterhin nur für enge Hofkreise zugänglichen Veranstaltungshöhepunkten bildete einen Mittelpunkt, mithin eine Stadt in der Stadt.

Kulturelle Verflechtung entstand nicht zuletzt durch die wirtschaftliche Infrastruktur, die sich um den repräsentativen Sektor bildete. Allein die Ballkultur bewirkte die Bildung eines eigenen Wirtschaftssektors. Offizielle Hoflieferanten waren begehrte Titel für städtische Unternehmer. Die kulturellen Vorgaben des Hofs waren prägend für die städtische Gesellschaft. In Dresden sei „selbst der geringste noch Feinfühlig und allem Groben fern“ hieß es im Volksmund. Selbst bei den unteren Ständen wirkte die Ausstrahlungskraft des Hofes also durch.[1] Dresdens bürgerliche Oberschicht kopierte das adelige Vorbild, gab sich gebildet. Einladungen für private Bälle gingen nur an eine ausgesuchte Gesellschaft.[2] Sie versuchten dadurch Exklusivität und Glanz zu erzeugen. Im Hôtel de Pologne wurden traditionell in der Karnevalszeit Assemblées dansantes veranstaltet, die eine hohe Beliebtheit aufwiesen. Man war bestrebt, die Mitglieder der Tanzgesellschaft durch Einladungen an auswärtige Gäste und nicht-Mitglieder der „Schönen Welt“ Dresdens zu vermehren.[3]

Der Einfluss der Kaufleute und landesherrlichen Beamten war zwar im 18. Jahrhundert gewachsen, die bürgerliche Oberschicht verdrängte die Handwerker aus dem Stadtrat. Dafür mussten sie sich häufige landesherrliche Eingriffe gefallen lassen.[4]

Die bürgerliche Oberschicht, Juristen etwa, die im Rat und in den städtischen Ämtern stark vertreten waren, Ärzte, Zunftmeister und Kaufleute, stand im öffentlichen Leben hinter dem Adel zurück.[5]

Elbschlösser
Die geistige und kulturelle Elite traf sich in der Villa Bienert in den 1920er Jahren.

Gottlieb Traugott Bienert begründete eine Dresdner Unternehmerfamilie, die Ende des 19. Jahrhunderts zu den reichsten Familien Dresdens gehörte.[6] Dazu gehörte auch Ida Bienert, die zu den wichtigsten Förderinnen und Sammlerinnen moderner Kunst im 20. Jahrhundert zählte. In ihrer (zurückhaltenden) Villa in Plauen in der Würzburger Straße 46, ein Ziegelbau mit Sandsteinverblendung, unterhielt sie einen halboffenen Salon, der zu einem wichtigen Anlaufpunkt der geistigen Dresdner Oberschicht, darunter vornehmlich Schriftsteller und Künstler in den 1910er und 1920er Jahren wurde.[7]

Das Interaktionsfeld der damaligen Elite Dresdens war institutionell und personell vielschichtig gefächert. Es entstanden zum Beispiel folgende „Institutionen“:

Insgesamt ist ein klarer Schwerpunkt der Förderung der Kunstszene durch die Elitenvertreter Dresdens bis 1945 auf einem international führenden Niveau erkennbar.

Die Hochindustrialisierung führte zur Etablierung des Wirtschaftsgroßbürgertums in Dresdens Oberschicht. Zu den führenden Vertreter gehörten Georg Arnhold und Max Arnhold die Inhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold waren, das bis zu seiner Arisierung und Übernahme durch die Dresdner Bank 1935/1938 eine der führenden deutschen Privatbanken war. Um zur Gruppe der Oberschicht dazu gehören zu dürfen, wurden Investments in die Dresdner Infrastruktur aus Privatmitteln erwartet. Beide wirkten daher stark in die gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit ein. Auch Karl August Lingner (Odol) oder der Tintenfabrikbesitzer August Leonhardi, der die erste wasserfeste Tinte auf den Markt brachte, gehörten zur Dresdner Oberschicht.

Bezogen auf die funktionale Elitenaufteilung in Sachsen galt bis zum Ende des Königreichs sinngemäß folgender Ausspruch: „In Chemnitz wurde der Wohlstand erarbeitet, in Leipzig das Geld verdient und in Dresden alles verprasst.“ Das bezieht sich auch auf das Sachsendreieck, das das Hauptbeziehungsnetzwerk sächsischer Eliten bis 1945 widerspiegelte:

Am nördlichen Elbhang zwischen Loschwitz und Pillnitz etablierte sich der Typus des Winzerhauses. Diese Gebäude dienten gleichzeitig als Sommerresidenzen der Dresdner Oberschicht.[9] Weitere Wohnsiedlung bildete die Villenkolonie Weißer Hirsch. Das soziale und kulturelle Kapital der Dresdner Oberschicht kam nach Auflösung der Monarchie 1918 erstmals ins Wanken. Ehrentitel verloren ihren Bezugsrahmen und ihren Stellenwert. Schwerpunkte des Engagements verschoben sich von der klassisch wirtschaftsbürgerlichen Philanthropie hin zum Mäzenatentum. Von vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten und Engagements ausgehend, reduzierte sich die Rolle der Elitenangehörigen nur noch auf Anlagen von privaten Kunstsammlungen.[10]

Ruine des Residenzschlosses Dresden 1980.

Bis 1933 verstanden sich die städtischen Großbürger Dresdens in ihrem Lebensgefühl noch weiter als Residenzbürgertum. Das Leipziger Handelsbürgertum vertrat dagegen zeitgleich einen betriebsameren Ansatz.[11]

Aufgrund der angeordneten Enteignungswellen in der ab 1945 sowjetisch besetzten Zone, verlagerten Teile der ehemaligen Elitenangehörigen ihren Lebensmittelpunkt in die westlichen Besatzungszonen. Mit der Einführung des Sozialismus wurden die verbliebenen Angehörigen der Dresdner Oberschicht weitgehend deklassifiziert und marginalisiert. Es entstand eine neue funktionale Elite der neuen machthabenden Gruppen. Diese besaßen keinen elitären Sozialisierungshintergrund, versuchten aber soziale Elitenpraktiken zu imitieren.[12] Was blieb waren refugienähnliche Sonderräume des Restbürgertums, die, solange sie lebten, untereinander eine Art Konservierung ihres gewohnten Lebensstils fortführten.[13]

Als Initiative der etablierten sozialistischen Gesellschaft zur Gestaltung einer Avantgarde entstand das Etablissement Dresdner Club oder „Dresdner Klub der Intelligenz“ im Lingnerschloss. Die nach 1945 folgenden „neuen“ ostdeutschen Eliten vertraten angestellte Leitungskräfte, Direktoren, Künstler, Intellektuelle und Vertreter der allgemeinen Intelligenz.[14]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Galonska: Die Wirtschaftselite im gesellschaftlichen Abseits: Von der Klasse an sich zur Klasse für sich?, Springer-Verlag, 2012
  • Christian Welzel: Demokratischer Elitenwandel: Die Erneuerung der ostdeutschen Elite aus demokratie-soziologischer Sicht. Springer-Verlag, 2013
  • Matthias Meinhardt: Dresden im Wandel: Raum und Bevölkerung der Stadt im Residenzbildungsprozess des 15. und 16. Jahrhunderts, Band 4 von Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Oldenbourg Verlag, 2010

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rolf Lindner: Dresden: ethnografische Erkundungen einer Residenzstadt. Leipziger Universitätsverlag, 2006, S. 239.
  2. Rolf Lindner: Dresden: ethnografische Erkundungen einer Residenzstadt. Leipziger Universitätsverlag, 2006, S. 252.
  3. Leander Büsing: Vom Versuch, Kunstwerke zweckmäßig zusammenzustellen: Malerei und Kunstdiskurs im Dresden der Romantik, Band 2 von Dortmunder Schriften zur Kunst / Studien zur Kunstgeschichte, (Hrsg. Nils Büttner, Barbara Welzel), ISBN 9783842359154, S. 50
  4. Karl Czok: August der Starke und Kursachsen. Koehler & Amelang, 1990, S. 11.
  5. Günter Klieme: Dresden: Silhouetten einer Stadt. Edition Leipzig, 1985, S. 52
  6. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 99.
  7. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 104f.
  8. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 105.
  9. Gilbert Lupfer, Bernhard Sterra, Martin Wörner: Architectural guide to Dresden, Reimer, 1997, S. 133
  10. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 108.
  11. Dr. Wilhelm Rausch (Stadtarchivar.): Städtische Kultur in der Barockzeit, Österr. Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Band 6 von Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas, 1982, S. 290
  12. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 98.
  13. Eva Maria Gajek, Anne Kurr, Lu Seegers: Reichtum in Deutschland: Akteure, Räume und Lebenswelten im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, 2019, S. 115.
  14. Rainer Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands: Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung. Mit einem Beitrag von Thomas Meyer, Springer-Verlag, 2009, S. 130


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