Online Coaching

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Einleitung[Bearbeiten]

Durch die fortschreitende Digitalisierung im Lebens- und Arbeitsalltag ist es unerlässlich, dass auch professionelle Dienstleistungen, wie Coaching, online zur Verfügung stehen. Die Entwicklung im Bereich des Online-Coachings nimmt rasant zu. Dabei herrscht keine Einigkeit über die Begrifflichkeit. Virtuelles Coaching, Online-Coaching, Distance-Coaching, I-Coaching, Cyber-Coaching, digitales Coaching oder E-Coaching sind Bezeichnungen, denen gemeinsam ist, dass sie Coaching unter Einbezug von Online-Medien durchführen. Eingeteilt nach den vorhandenen Möglichkeiten können aufsteigend nach ihrem Funktionsumfang 4 Stufen unterschieden werden:

Datei:Online Coaching.png
Online Voraussetzungen für professionelles Coaching

Auf der Stufe I, der medial vermittelten Kommunikation, werden Online-Medien verwendet, mittels derer Wort, Schrift oder Videobild ausgetauscht werden können.

Auf Stufe II, bezeichnet als unspezifische Plattformen, kommen Kommunikationstools hinzu, die nicht speziell auf Coaching ausgerichtet sind, aber weitere Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit, der Präsentation und des Dokumentenaustauschs bieten.

Auf der Stufe III stehen professionelle Coaching-Tools, wie Fragesets, Inneres Team, Aufstellungen (Systemaufstellung), Soziogramme (Soziogramm), Ressourcenbaum etc. in 2D oder 3D Welten zur Verfügung. Diese können isoliert oder eingebettet in einem vordefinierten Coaching Prozess verwendet werden.

Der Stufe IV sind integrierte, interaktive und professionelle Coaching Plattformen zuzuordnen, die verschiedene Medien, professionelle Coaching-Tools und Prozesse in verschiedenen Formaten zur Verfügung stellen und das Management der Coachingtätigkeit unterstützen.

Vorteile von Online Coaching[Bearbeiten]

Zeit- und Ortsunabhängigkeit: Coaching ist an jedem Ort, zu jeder Zeit mit passenden ExpertInnen – je nach persönlichen Vorlieben, Sprache und Kultur möglich.

Steigerung der Effektivität: durch die Möglichkeiten synchron und/ oder asynchron zu arbeiten, kann es zu vielen, auch kürzeren Kontakten kommen. Die Häufigkeit der Kontakte hat signifikanten Einfluss auf die Wirkung und den Erfolg von Coaching (Ribbers& Waringa 2015).

Möglichkeit anonymen/ pseudonymen Coachings: Eine höhere Selbstoffenbarung der KlientInnen ist möglich, da unter Wahrung der Anonymität die Ansprache belastender, beschämender oder den Arbeitsplatz bedrohender Themen leichter ist. Die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von Coaching wird herabgesetzt.

Transferunterstützung: Durch die Möglichkeit der Begleitung ‚on the job‘, im Alltag, mit zeitnahen Rückkoppelungsschleifen, können Ziele bzw. Maßnahmen den Erfordernissen des Alltags angepasst und Erfolge schneller erreicht werden.

Autonomie, Aktivität und Selbstwirksamkeit der KlientInnen: die Häufigkeit der Coachingsequenzen, Zeitpunkt und Zeitrahmen, die Formulierung von Nachrichten an die Coachs und Pausen können von den KlientenInnen selbst bestimmt werden. Dokumentation und Selbstreflexion: durch die Möglichkeit einer automatischen Dokumentation sind alle Aspekte und die Ergebnisse des Coachings jederzeit für die KlientInnen verfügbar, so dass an den bearbeiteten Themen eigenständig weitergearbeitet werden kann. Zusätzlich können weitere Dokumente, die das Coaching unterstützen, hochgeladen werden.

Effizienzsteigerung: durch eine kürzere Aufwärmphase, geringere Ablenkungsfaktoren, extrem hohe Fokussierung und ganzheitliche, interaktive Ansprache sind Coachingsequenzen in kurzer Zeit sehr produktiv. Es ist ein schnellerer Wiedereinstieg und Anknüpfung an vorangegangene Sitzungen möglich, da der ‚Sitzungsraum‘ unverändert wieder vorgefunden wird. Durch die sofortige Dokumentation herrscht große Transparenz.

Leichtere Organisation von Gruppen- oder Teamcoachings: durch Aufhebung der Ortsbindung und die Möglichkeit zeitversetzt arbeiten zu können, kann Coaching in Gruppen und Teams zuverlässiger und leichter durchgeführt werden.

Geringere Stornierungskosten: durch kürzere Sitzungszeiten und die Möglichkeit asynchron zu arbeiten, wird der unvorhersehbaren Verhinderung von Coachingsitzungen vorgebeugt.

Spezielle Wirkfaktoren im Online Coaching[Bearbeiten]

In der Forschungsliteratur findet man unter anderen die folgenden Wirkfaktoren in professionellen online Vorgehensweisen:

Selbstoffenbarung: Kennzeichnend für die Online-Begegnung ist eine schnellere Selbstoffenbarung. Es ist eine paradoxe Nähe durch Distanz. Erklärbar ist dies mit Kanalreduktions- und Filtertheorien.

Kontrolle – Selbstreflexion – Identitätsbewußtsein: Dadurch, dass die KlientInnen die Kontrolle über das haben, was sie von sich zeigen möchten, werden die Selbstreflexion und das Identitätsbewusstsein angeregt. Die Beziehung ist gekennzeichnet durch das emotionale Band zwischen Coach und KlientIn und dem daraus resultierenden Einverständnis der KlientInnen mit der Vorgehensweise der Coachs (Berninger-Schäfer, 2017).

Vereinfachte Transferunterstützung: durch kurze Kontakteinheiten zum ‚Nachjustieren‘ bei der Umsetzung vereinbarter Maßnahmen kann die Gefahr, bei Hindernissen die Motivation zur Umsetzung zu verlieren, abgefangen werden.

Findet das Online-Coaching in 3D Welten statt, kommen folgenden Faktoren hinzu: Presence, Immersion, Involvierung.

Besondere Anforderungen an die Kompetenzen des Online-Coachs[Bearbeiten]

Die Vorbehalte gegenüber Online-Coaching bestehen in der Vorstellung, dass ohne Wahrnehmung von non- und paraverbale Signalen die Möglichkeit fehlt, adäquat auf Emotionen zu reagieren und, dass es schwer bis unmöglich sei, eine wertschätzende, persönliche Atmosphäre aufzubauen. Diese Vorbehalte können leicht entkräftet werden, wenn spezielle, hierfür hilfreiche Coaching-Kompetenzen aufgebaut werden.

Medienkompetenz[Bearbeiten]

Coachs sind verantwortlich für die Entscheidung, welche Medien eingesetzt werden sollen. Um die KlientInnen kompetent begleiten zu können ist es notwendig, dass Coachs die entsprechenden Kenntnisse bezüglich der jeweiligen Anforderungen, Verwendungen und Möglichkeiten besitzen (Online-Tools, Plattformen, Datensicherheit etc.).

Medienkommunikation[Bearbeiten]

Durch den Wegfall der nonverbalen und paraverbalen Kommunikation ist im Online-Coaching mit einer erhöhten Gefahr von Missverständnissen zu rechnen. Um diese zu minimieren und das gemeinsame Verständnis zu sichern ist eine Erhöhung der Anzahl an Rückkoppelungsschleifen erforderlich. Für den schriftlichen Austausch ist das Erlernen der Techniken des dialogischen Schreibens nötig, um ein angemessenes Gefühl für das Gegenüber zu entwickeln und dies in der Schriftsprache ausdrücken zu können. Beim aktiven Lesen, als Pendant zum aktiven Zuhören, wird die Wirkung des Geschriebenen reflektiert und auf der Basis einer wertschätzenden, empathischen Grundhaltung beantwortet. Hinzu kommen Fähigkeiten zur verbalen Medienkommunikation, wenn Video oder VoIP genutzt werden.

Methodenkompetenz[Bearbeiten]

Die eingesetzten Methoden dienen dazu, den Coachingprozess zu steuern. Neben dem Wissen über die Eigenschaften der jeweils verwendeten Methode, müssen Coachs in der Lage sein, aus den online zur Verfügung stehenden Werkzeugen das oder die passenden auszuwählen.Sie brauchen das Wissen um professionelle online-Tools und die Fähigkeit, Coaching-Prozesse online mit diesen Tools zu gestalten.

Weiterbildung[Bearbeiten]

Für die besonderen Anforderungen existieren bereits verschiedene Weiterbildungen im Bereich Online-Coaching. Insbesondere im akademischen Bereich ist die Weiterbildung bereits Bestandteil von zertifizierten Abschlüssen. Als Beispiele sind hier die Ausbildungen am Karlsruher Institut (seit 2013) an der ZHaW (seit dem Wintersemester 2013/149 und der HdWM (seit 2017) zu nennen.

Qualität im Online-Coaching im Vergleich mit Face-to-Face Coaching[Bearbeiten]

Im Folgenden werden beispielhaft Kriterien aufgeführt, die im face-to-face Coaching gar nicht möglich oder im Ermessen der jeweiligen Coachs liegen, im Online-Coaching aber automatischer Bestandteil der Vorgehensweise sind, vorausgesetzt, es wird mit entsprechend konstruierten Plattformen gearbeitet. Zu diesen Kriterien gehören beispielsweise:

Niederschwelliger Zugang, Ad hoc bzw. kurzfristige Interventionen, Erreichbarkeit, hohe und ggf. kurze Kontaktfrequenzen, Multimedialität, Sicherheit und Datenschutz, Barrierefreiheit, Transparenz des Vorgehens, ausgewiesene Prozesssteuerung, Auftragsklärung und Zieldefinition, Evaluationsinstrumente, Methodeneinsatz, statistische Aufbereitung der Arbeit und wissenschaftlich erforschbares Datenmaterial.

Ethikrichtlinien[Bearbeiten]

Professionell arbeitende Coaches sollten sich an selbstverpflichtende Ethikrichtlinien halten. Diese treffen Regelungen bezüglich der Anforderungen an den Coach hinsichtlich Grundhaltung und Menschenbild, fachlicher Kompetenz, technischer Kompetenz, Vertraulichkeit, sowie Transparenz und Integrität.

Einschränkungen[Bearbeiten]

Mögliche Nachteile, die mit einem professionellen Verhalten der Coachs jedoch behoben werden können, sind instabile Internetverbindungen, Ablenkung durch das eigene Videobild, Missverständnisse aufgrund versteckter Kommunikationsinhalte, Erwartungshaltungen der KlientInnen, dass die ständige Verfügbarkeit der Coachs keine Kosten verursache und das Honorar der Coachs geringer ausfallen würde. Schriften und Veröffentlichungen:

Literaturnachweise[Bearbeiten]

Armutat, S. et al (2015). Virtuelles Coaching-Bilanz und Orientierungshilfe. Düsseldorf: DGFP-Praxis Papiere.

Berninger-Schäfer, E. (2017.). Online-Coaching. Heidelberg: Springer.

Berninger-Schäfer, E. (2017). Weshalb Online-Coaching neue Kompetenzen erfordert. Wirtschaftspsychologie aktuell.2|2017, S. 19-23

Eichenberg, C. & Kühne, S. (2014). Einführung Onlineberatung & -therapie. Grundlagen, Interventionen und Effekte digitaler Medien, 4131, UTB.

Eichenberg C. & Ott R. Klinisch-psychologische Interventionen im Internet. Psychotherapeut, 57 (1), 58-69. Berlin 2012: Springer Medizin Verlag GmbH.

Geißler, H. & Metz, M. (Hrsg.). (2012). E-Coaching und Online-Beratung. Wiesbaden: Springer.

Geißler, H. (2008). E-Coaching.Baltmannsweiler: Hohengehren: Schneider Verlag.

Kühne, S. & Hintenberger , G. (Hrsg.). (2009). Handbuch Online-Beratung. PsychosozialeBeratung im Internet. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

Künzli, H. & Lohmann, A. C. (in prep.): unveröffentlichte, vorläufige Studie „Online Coaching mit der CAI-World - Ein Projekt am Departement Angewandte Psychologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW“

Ploil, E. O. (2009). Psychosoziale Online-Beratung. München: Ernst Reinhardt.

Reindl, R. (2015). Psychosoziale Onlineberatung-von der praktischen zur geprüften Qualität. E-beratungsjournal.net 1(6), 55-67.

Ribbers&Waringa: E-Coaching, Taylor and Francis, London 2015

Six, U. Gleich, U. & Gimmler, R. (Hrsg.). Kommunikationspsychologie-Medienpsychologie. Weinheim: Beltz Verlag.

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