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Don Juan Matus

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Don Juan Matus ist die zentrale literarische Figur in den Werken des US-amerikanischen New-Age-Schriftstellers Carlos Castañeda, die in der Gegenkultur der 1970er Jahre populär waren und bis in die 1990 Jahre in hoher Auflage erschienen, der erste Band 1968 mit dem Titel The Teachings of Don Juan (Die Lehren des Don Juan). Nach Darstellung von Castañeda geht die Figur auf eine reale Person zurück, einen indigenen Yaqui-Schamanen. Doch dies ist umstritten.

Literarische Geschichte

Castañeda unternahm im Rahmen seines Anthropologie-Studiums an der University of California zwischen 1959 und 1973 verschiedene Forschungsreisen u.a. nach Mexiko. Nach seiner Darstellung lernte er den indigenen Yaqui Don Juan Matus bei einer Studie über den Gebrauch von Heilpflanzen in Mexiko kennen. Er sei als Brujo (Heilzauberer) und Yerbero (Verkäufer von Heilkräutern) tätig gewesen. Don Juan habe angeboten, ihm die Geheimnisse der indianischen Zaubermedizin zu erschließen und so sei er schließlich sein Schüler geworden.[1] Im Mittelpunkt der Ausbildung habe der Gebrauch psychoaktiver Drogen wie Peyote und Stechapfel gestanden. Mittels Peyote, das auch den Gott Mescalito symbolisiere, sei eine Kontaktaufnahme zu diesem göttlichen Wesen möglich erschienen.

Castañeda beschreibt Don Juan Matus nach dessen Angaben als einen Praktizierenden einer alten, auf die Tolteken zurückzuführenden Tradition von „Zauberern“ und „Sehern“, die sich später als „Krieger“ bezeichneten. Castaneda reflektiert diese Tradition auch als panindianische, da sie eine Jahrhunderte alte Geschichte habe. Diese Tradition soll von Gruppen, die während der spanischen Conquista nur noch losen Kontakt miteinander unterhalten konnten, in verschiedenen Variationen weitergeführt worden sein. Diese Gruppen gehörten nicht mehr zu existierenden Indianerstämmen, noch führten Mitglieder dieser Zauberergruppen schamanische Aufgaben innerhalb von Stämmen aus.

Don Juan soll als junger, armer Arbeiter nach einer Auseinandersetzung von seinem späteren indianischen Lehrer schwer verwundet gefunden, gesund gepflegt und durch List und scheinbare Zwänge in die Zauberei eingeführt worden sein.

Durch seine besonderen Begabungen wurde Don Juan Matus „Nagual“ (Leiter) eines Zugs von Zauberern, zu denen unter anderem Don Genaro, ein Mazateke, gehörte. Krieger bzw. Zauberer sind nicht nur Indianer, sondern auch Mexikaner oder vereinzelt Weiße. Der Zug der Zauberer ist unterteilt in sogenannte Träumer, Pirscher und Kuriere. Ein Zug besteht meist in gleichen Anteilen aus männlichen und weiblichen Kriegern.

Don Juan und seine Krieger lehrten Castaneda die Kunst des Pirschens, die Eigenschaften eines Kriegers, die Kunst des Sehens und die des Träumens sowie das Leben als makelloser Krieger, eine unbedingte Voraussetzung für die Zauberei.

Carlos Castaneda sollte als Nagual (Anführer mit einer besonderen energetischen Struktur, die den Sehern als verdoppelt erscheint) Don Juan Matus nach seinem Abgang von der Welt ablösen und einen eigenen vollständigen Zug von Zauberern leiten. Castaneda konnte diese Aufgabe jedoch nicht erfüllen und gründete später einen eigenen kleinen Zug mit Zauberinnen, die in Los Angeles lebten.

Lehre und Anwendung

Eine Grundmethode der Ausbildung zum Krieger ist das „Anhalten des inneren Dialogs“ (auch als „Anhalten der Welt“ bezeichnet), des ständigen „Mit-sich-selbst-Redens“ (ob bewusst oder unbewusst). Das Anhalten des inneren Dialogs ist wiederum Voraussetzung für fortgeschrittene Techniken wie das Träumen und Pirschen. Träumen bezeichnet die Fähigkeit, mit dem Rest des Bewusstseins im Schlaf kontrollierte Handlungen auszuführen und den sogenannten Traumkörper auszubilden. Pirschen lehrt das Verhalten im Alltag und setzt u. a. eine Rekapitulation sämtlicher sozialer Interaktionen im Leben des Kriegers seit der Geburt voraus und ist demnach extrem zeitaufwendig.

Die Fähigkeit zu sehen, d. h. Menschen, Tiere und Pflanzen als Energiewesen wahrzunehmen, die im Falle von Menschen einen über den Körper hinausgehenden Kokon ausbilden und „leuchtenden Eiern“ ähneln, ist laut Juan Matus eine Gabe, die sich während der Lehrzeit bei vielen Kriegern entwickelt, bei manchen jedoch nie.

Ziel der Zauberei sei es, im Augenblick des Todes das individuelle Bewusstsein zu behalten und als reine Energieform fortzuexistieren. Juan Matus sagte, „dass etwas sehr Unpersönliches“ da draußen auf uns warte.

Don Juan Matus beendete die Lehrzeit Castanedas, indem er mit seinem Zug Krieger seine körperliche Gestalt aufgab und alle gemeinsam als Energiewesen in die Unendlichkeit eingingen. Castaneda blieb mit einem anderen Lehrling alleine zurück.

Herkunft

Nach Castanedas Darstellung habe Don Juan sich selten zu seiner persönlichen Vorgeschichte geäußert, da sein wahres Leben für ihn erst als „Krieger“ begonnen habe. Nach unbestätigten Quellen wurde er 1891 in Sonora geboren,[2] während Castaneda schrieb, Don Juan sei in Arizona geboren worden und von Yaqui- und Yuma-indianischer Abstammung. „Als kleines Kind nahmen seine Eltern ihn nach Nordmexiko mit, wo sie bei den Yaquis lebten. Im Alter von 10 Jahren geriet er in die Wirren der Yaqui-Kriege. Seine Mutter wurde damals getötet, und sein Vater wurde von der mexikanischen Armee verhaftet. Don Juan und sein Vater wurden in ein Umsiedlungslager im südlichsten Staat Yucatan geschickt. Dort wuchs er auf.“[3]

Rezeption

Castanedas Schilderungen seiner visionären Begegnungen mit dem Peyote-Gott Mescalito und über seine Astralreisen, die er in der Gestalt einer Krähe unternommen haben will, sowie die Existenz des Don Juan wurden schon bald angezweifelt.[4][5]

Das Time-Magazine widmete sich Castaneda 1974 in einer Ausgabe, in der die Richtigkeit seiner Behauptungen untersucht wurde. Die Schlussfolgerung war, dass die von Castaneda bereitgestellten biografischen und anderen Informationen größtenteils erfunden waren. Juan Matus habe zwar nie wirklich existiert, so Corin Braga, das aber schmälere nicht die Faszinationskraft, die seine „Lehren“ auf die breite Öffentlichkeit ausübten.[6]

Laut Alexander Knorr wurde unterschiedliche Kritik geäußert: Castanedas Bücher hätten starke Ähnlichkeiten mit denen anderer Anthropologen; seine Beschreibung der Flora und Fauna passe nicht auf die Sonora-Wüste, wo viele Unternehmungen von Lehrer und Schüler stattgefunden haben sollen. Und obwohl Don Juan Matus keine formale Bildung hatte, spreche er wie Nietzsche und Gurdieff. Alles in allem seien Daten und Ereignisse in den Büchern inkonsistent und widersprüchlich.[7]

Der amerikanische Autor Richard de Mille wies nach, dass Castaneda keinesfalls mit der mexikanischen Yaqui-Tradition vertraut gewesen sei, die meisten seiner Berichte habe er wohl „in der heimischen Bibliothek inspiriert durch verschiedene okkulte Literatur zusammenerfunden“.[8] Ein Beweis, dass es sich bei Castañedas ‚Ethnographien‘ um Fiktion handelt, sei auch das Fehlen jeglicher Feldnotizen. Einige, vor allem akademische Kritiker, gehen davon aus, dass der Yaqui Don Juan Matus eine (fiktive) literarische Figur ist.[9]

Paul Watzlawick und einige seiner Kollegen vermuteten lange Zeit, dass Milton H. Erickson Don Juan Matus ist – eine Vermutung, die Erickson gemäß Watzlawick dementierte.[10]

In einem Artikel in Die Zeit von 1998 über Carlos Castanedas Lebenswerk schrieb Hans-Juergen Heinrichs:

„Don Juan Matus - der Held, der "Krieger-Wanderer", in den Bänden Die Lehren des Don Juan, Eine andere Wirklichkeit, Reise nach Ixtlan, Der Ring der Kraft, Der zweite Ring der Kraft, Das Feuer von innen, Die Kunst des Pirschens, Die Kraft der Stille, die in den siebziger, achtziger Jahren (und schließlich noch mit Die Kunst des Träumens in den neunziger Jahren) in hohen Auflagen erschienen -, Don Juan Matus ist von Castaneda zu einer real-fiktiven Figur stilisiert, literarisiert worden; zu einer Identifikationsfigur für die von den Ergebnissen revolutionärer Veränderungswünsche enttäuschten Nach-68er. Der Wunsch nach Veränderung und Erweiterung des Bewußtseins und Denkens war geblieben und suchte sich nun neue Räume.[11]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mathis Lessau: Geistheilung. Das neoschamanistische Versprechen und seine narrativen und diskursiven Inszenierungen, in: Teresa Hiergeist, Mathis Lessau (Hrsg.): Glücksversprechen der Gegenwart. Kulturelle Inszenierungen und Instrumentalisierungen alternativer Lebensentwürfe, Transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5430-1, S. 150/151
  2. Kocku von Stuckrad: Normatizing Shamanism: Academic Teachers as Religious Experts, in: ders.: The Scientification of Religion. An Historical Study of Discursive Change, 1800–2000, De Gruyter, 2014, ISBN 978-1-61451-626-2, S. 167
  3. Carlos Castaneda: Die Kunst des Pirschens, S. Fischer Verlag GmbH, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1981, S. 177. ISBN 3-10-010205-3. Originalausgabe: The Eagle’s Gift, Simon and Schuster, New York 1981.
  4. Marc Roberts: Das neue Lexikon der Esoterik. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89602-537-6, S. 201.
  5. Kersten Knipp: Literarischer Hexenmeister, Deutschlandfunk, 27. April 2008
  6. Corin Braga: Carlos Castaneda: The Uses and Abuses of Ethnomethodology, in: Journal for the Study of Religions and Ideologies, 9, 27 (Winter 2010), S. 73f, S. 80
  7. Alexander Knorr: Metatrickster, VASA-Verlag, München 2004, ISBN 978-3-9809131-6-4, S. 211
  8. Mathis Lessau: Geistheilung. Das neoschamanistische Versprechen und seine narrativen und diskursiven Inszenierungen, in: Teresa Hiergeist, Mathis Lessau (Hrsg.): Glücksversprechen der Gegenwart. Kulturelle Inszenierungen und Instrumentalisierungen alternativer Lebensentwürfe, Transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5430-1, S. 152
  9. Karin Riedl: Künstler und Schamanen – Abriss einer Diskursgeschichte, in dies.: Künstlerschamanen, Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2683-4, S. 99
  10. Paul Watzlawick: Die Möglichkeit des Andersseins. Zur Technik der therapeutischen Kommunikation. Verlag Hans Huber, Bern 2015, ISBN 978-3-456-85519-6, S. 54, Fn
  11. Hans-Juergen Heinrichs: Alter neuer Weg des Wissens, Die Zeit, 47/1998, online: 12. November 1998


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