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Höëwingen

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Standort der Wüstung Höëwingen im heutigen „Wäldchen“

Höëwingen war eine Wüstung bei Altenhof in der Gemeinde Wenden im Sauerland. Die Wüstung lag in einer Quellmulde am heutigen Ortsrand[1]. Sie ist fränkischen Ursprungs. Dieser ist durch die Siedlungsgeschichte[2], Rückschlüsse über Namensgebung und den örtlichen nederdeutschen fränkischen Dialekt in die Zeit vor der zweiten Lautverschiebung zu datieren. Die Siedlung Höëwingen wurde wahrscheinlich im Zuge eines Zentralisierungsvorgangs im Mittelalter ebenso wie die zweite, dokumentierte Siedlung Kortenbecke auf Altenhofer Gebiet aufgegeben. Der Ortsname bedeutet „Ort, wo ein Hof steht“ oder „zu einem Hof gehörig“.

Rückschlüsse zur frühen Besiedlung des Wendener Landes[Bearbeiten]

Eine Besiedlung des Wendener Landes in vorgeschichtlicher Zeit ist durch Lesefunde von eisenzeitlichen Keramikfragmenten gesichert. Ein weiterer Hinweis ist durch die sprachwissenschaftliche Betrachtung der Gewässernamen gegeben.[3] Die Bezeichnungen Bigge, wahrscheinlich auch Elbe und Albe und Wende stammen aus vorgeschichtlicher Zeit, was auch auf eine Siedlungskontinuität verweist.

Eine sukzessive Besiedlung flussaufwärts ist wegen der topographisch ungünstigen Lage erst in einer zweiten und dritten Besiedlungsphase nach 500 anzunehmen. Durch die bevorzugte Lage konnte sich Wenden als Haupt- und später als Kirchort entwickeln. Von dort ist ein guter Zugang über die Täler der Wende, der Albe und der Elbe in die anderen kleineren Siedlungen und Höfe gegeben, auch zu der Quellmuldenlage von Höëwingen. Dieser zweite Besiedlungsvorgang ist für die Zeit nach der Völkerwanderung bis ins 10. Jahrhundert veranschlagt.[4]

Die Besiedlung erfolgte durch Franken. Anders als im übrigen Sauerland drangen die Sachsen bei der Neubesiedlung nach 700 nicht bis in das Wendener Land vor[5], sondern nur bis zum „Sachsenbach“, dem heute zu Olpe gehörenden Dorf Saßmicke. Daher wird im Wendener Land als einziger Region in Westfalen ein niederdeutscher fränkischer Dialekt, das „Wendsche Platt“, bis heute im Alltag gesprochen.

Datei:Ackerterrassen oberhalb der Wüstung Höëwingen.jpg
Ackerterrassen öberhalb des Standorts der Wüstung Höëwingen

Höëwingen – eine fränkische Siedlung[Bearbeiten]

Erstmalig in der Neuzeit wird die Siedlung Höëwingen durch Günter Becker und Albert K. Hömberg erwähnt[6], die sich auf ein Dokument zur Lage des Hünsborner Hofes[7] beziehen. Dieses Dokument erwähnt eine Siedlung, die „Hovingen“ oder „Howingen“ genannt wird. Im Dialekt ist dieser Name als Höëwingen heute noch aktiv, bezieht sich jedoch auf den Ort.

Die Ortsbezeichnung mit der Endung –ingen verweist auf fränkische Wurzeln.[8] Auffallend ist, dass vor allem im Wendener Land fast ausnahmslos die aktiven und wüstgefallenen Orte des Kreises Olpe mit dem Suffix „-ingen“ zu finden sind. Auch auf Siegerländer Seite sind im unmittelbaren Grenzbereich zum Wendener Land drei aufgegebene Siedlungen mit der gleichen Endung zu verzeichnen.[9] Das Suffix wurde besonders, allerdings nicht ausschließlich durch die Franken und Alemannen benutzt und bezeichnet einen Ort oder eine Zugehörigkeit.[8] Der Appellativ „Hof“ ist das Bestimmungswort, das durch „-ingen“ zu einer Ortsbezeichnung wird.

Der Siedlungsname Höëwingen gehört einer frühen Siedlungsnamensschicht an. Aufgrund der eher abgelegenen Mittelgebirgslage ist von einer Besiedlung nach 500 auszugehen[10], jedoch zu einer Zeit, in der das niederdeutsche Fränkisch dominante Sprache war, also vor der zweiten Lautverschiebung. Bis heute ist eine hohe Affinität des niederfränkischen Dialekts des Wendschen Platt[11] zum nordsiegerländischen, dem sogenannten „Ferndorftaler“ Dialekt[12], einer mitteldeutschen moselfränkischen Mundart, zu verzeichnen.

Rückschlüsse über die historischen Bezeichnungen des Ortes Altenhof[Bearbeiten]

Im Gedächtnis der Wendschen Mundart ist Höëwingen noch existent und wird mit dem heutigen Ort Altenhof in Verbindung gebracht. Durch den Rückgriff auf mundartliche Formen eines Ortsnamens lässt sich der ursprüngliche Lautbestand und die entsprechende hochdeutsche Form am besten herstellen.[13] Dass die Mundart alte Lautbestände weiterführt, ist am Beispiel der aktuellen plattdeutschen Ortsnamen „Hünschbern“ und „Krummicke“, also Hünsborn und Krombach, aufzuweisen, die in Dokumenten aus 1293 bzw. 1473 gleichlautend benannt werden[14].

Anders als bei anderen Gemarkungen und Höfen rund um Altenhof wird zu Höëwingen keine Lehensherrschaft genannt. Die Siedlung wird nicht mehr in den Schatzungsregistern von 1536 und 1563[15] aufgefürht, wohl aber der Ort „Aldenhoffen“. In früheren und lokalen Dokumenten heißt dieser Ort nur einfach „Hof“ in den Varianten „Houe“, „Hove“ oder „Hauffe“[16]. Das Adjektiv „alt“ als Bestimmungswort des Ortsnamens taucht erst nach der Mitte des 16. Jahrhunderts in juristischen Dokumenten auf, was möglicherweise auf eine schon in dieser Zeit als „alt“ eingeschätzte Siedlung schließen lässt[17].

Es ist nachweisbar, dass der ursprüngliche Name des Ortes „Hoff“ war, der wahrscheinlich aus Höëwingen abgeleitet wurde. Gemäß dem Rheinischen Wörterbuch kennt das Fränkische das Wort „hof“ auch für eine kleinere Siedlung, aus Häusern und Bauernschaften bestehend, während die Ortschaft, in der die Kirche steht „dorp“ genannt wird[18]. Im ebenfalls nederdeutschen fränkischen Ostbergisch heißt es, wenn die am Rande des Dorfes Wohnenden in den Ort gehen „gohn en den Hof“ oder „romlöpen en den Hof“, womit immer die Ortschaft gemeint ist. Im Moselfränkischen (Morsbach) und dem Ripuarischen des Wildenburger Landes heißt einer der Wenker Sätze: „In unserem Dorf müssen wir Eier ohne Salz und Pfeffer essen“ im dortigen Dialekt: „En uffem Hof mösse mer de Eier ohne Salz on Peffer ässe“[19].

Im Grimmschen Wörterbuch ist ein weiterer Hinweis gegeben, der die Selbstnennung als Höëwingen bzw. die Namensgebung erklären kann: „mehrere solche höfe machten eine bauerschaft aus, die gewöhnlich den namen des ältesten und vornehmsten hofes führte.“[20] Geht man von dem Namen des Hofes oder der Siedlung „Höëwingen“ aus, ist diese die ältere Variante.

Die Lage der Siedlung Höëwingen und Gründe für das Wüstfallen[Bearbeiten]

Typisch für eine mittelalterliche Siedlung im Wendener Land ist die Quellmuldenlage[21]. Der Standort der Siedlung Höëwingen im „Wäldchen“ ist nach Osten geöffnet und durch Erhebungen gegen die Hauptregenrichtung Nordwest geschützt. Die unmittelbare Nähe des Siedlungsstandorts im Quellbereich ist durch flachere Landschaft geprägt, die über der Talmulde steiler ansteigt. Reste der Ackerterrassen sind am Hang mit südlicher und südöstlicher Ausrichtung erkennbar[22]. Wasser ist ausreichend über zwei unabhängige Quellen, die heute noch kleine, namenlose Bäche speisen, für einen Hof oder eine Hofanlage gegeben. Allerdings bedeutet die Talendlage und das vorhandene Relief auch, dass eine Erweiterung des Hofes nicht möglich war.[23] Zudem überdauerten die aus Holz errichteten Bauten selten mehr als eine Generation. Die Wiederansiedlung blieb aber in der näheren Umgebung.[24]

Daher kann von einem Zentralisierungsvorgang ausgegangen werden, der auch in anderen Regionen zum Wüstfallen von Siedlungen geführt hat.[25] Dass keine Kleinweiler oder Einzelhöfe gebildet wurden, hat mit den starken Impulsen in der kulturlandschaftlichen Entwicklung vom fränkischen Siegerland zu tun, zu denen auch die vorherrschende Realerbteilung und die Ortsformen, mehr oder minder große ringförmig angelegte Haufendörfer, gehören.[26]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Günther Becker: Die Wüstungen des Sauerlandes - Hövingen, Hofingen Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 44. Folge 1961 S. 236 - 237
  2. www.westfaelische-geschichte.de/med513 Internet-Portal "Westfälische Geschichte" , Kartografische Dartsellung Prof. W. Winkelmann
  3. Antonius Klein: Siedlungs- und Kulturgeschichte bis zum Hochmittelalter. In: Karljosef Böhler u.a.: Wenden – Einblicke in die Geschichte Bd. 1, Wenden 2012, S. 40; Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004, S. 39
  4. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe   Bielefeld 2014 S. 212
  5. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe   Bielefeld 2014 S. 212
  6. Günther Becker: Die Wüstungen des Sauerlandes – 15. Fortsetzung. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 44. Folge Nr. 3 Juli/ September 1961, S. 237; Albert K. Hömberg: Wo stand die älteste Pfarrkirche des Olper Landes?. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 27. Folge Nr. 2, S. 1427, Fußnote 12; NorbertScheele: Vom Hofesgericht in Hünsborn. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 96/97, 1974, S. 393
  7. Norbert Scheele: Vom Hofesgericht in Hünsborn In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 96/97 Olpe 1974 S. 393
  8. 8,0 8,1 Andrea Emundts: -Ingen-Siedlungen in ihren philologischen und historischen Bindungen. Das Beispiel des Dreiländerecks (Luxemburg, Frankreich, Deutschland). Saarbrücken 2015 (Digitalisat)
  9. Es sind dies Wen(d)ingen, Druningen und Herdelingen bei Freudenberg bzw. Oberholzklau. Lit: Rudolf Bergmann: Ortswüstungen im Kreis Siegen-Wittgenstein in: Archäologie in Westfalen Langenweißbach 2018
  10. Jakob Heinzerling: Die Siedlungen des Kreises Siegen Verlag des Vereins für Heimatkunde und Heimatschutz im Siegerlande samt Nachbargebieten, Siegen  1920
  11. Werner Beckmann: In: Kreisheimatbund Olpe (Hrsg.): . Olpe 1997, S. 263 - 273.
  12. Jacob Heinzerling: Über den Vocalismus und Consonantismus der Siegerländer Mundart. Marburg 1871; Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch – digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21 2008
  13. Jacob Heinzerling: Über den Vocalismus und Consonantismus der Siegerländer Mundart. Marburg 1871
  14. Raimund Quiter: Wenden in Mittelalter und Früher Neuzeit in Böhler, Karljosef u.a.: „Wenden – Einblicke in die Geschichte“ Wenden 2012 S.102
  15. Historische Kommission Westfalens: Die Schatzungsregister des 16. Jahrhunderts für das Herzogtum Westfalen. Teil 1: Die Register von 1536 und 1565. 1971, S. 213
  16. Raimund Quieter: Wenden in Mittelalter und Früher Neuzeit in Böhler, Karljosef u.a.: „Wenden – Einblicke in die Geschichte“ Wenden 2012 S 101 ff
  17. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe   Bielefeld 2014 S. 25
  18. Hof“, Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB?lemid=H06608>,
  19. Hof“, Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB?lemid=H06608>,
  20. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 29. Dezember 2020. Bd. 10, Sp. 1656
  21. Otto Lucas: Das Olper Land   Münster 1941 S 118
  22. /www.geoportal.nrw Digitale Geländekarte
  23. Rudolf Bergmann: Die Wüstungen des Hoch- und Ostsauerlandes. Darmstadt 2015
  24. Gabriele Uelsberg (Hrsg.): Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme. Darmstadt / LVR Landesmuseum Bonn 2020, S. 49
  25. Rudolf Bergmann: Die Wüstungen des Hoch- und Ostsauerlandes. Darmstadt 2015, S. 581
  26. Otto Lucas: Das Olper Land. Münster 1941, S. 58


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