DigitalService4Germany

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DigitalService4Germany GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 2020
Sitz Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Christine Lang (CEO)
    Philipp Möser (COO)
  • Eva Christiansen (Aufsichtsratsvorsitzende)
    Stephanie Kaiser
    Julia Kloiber
    Peter Parycek
    Markus Richter
    Thomas Rieks
Mitarbeiterzahl 35
Branche Software
🌐Website digitalservice4germany.org
Stand: 11. Oktober 2021

DigitalService4Germany (abgekürzt auch DS4G) ist eine Digitalagentur im Eigentum des Bundes, die für die Bundesverwaltung Prototypen bis hin zu fertigen Anwendungen entwickelt und implementiert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung des Transfers von digitalen und agilen Kompetenzen in die Verwaltung hinein.[1][2] Durch das Insourcing dieser Kompetenzen will der Bund seine Abhängigkeit von externen Beratungen und Agenturen reduzieren.[3] Das öffentliche Unternehmen konkurriert mit privaten Unternehmen um Aufträge der Bundesverwaltung, hat aber den Vorteil, als Inhouse-Gesellschaft ohne vorherige Ausschreibungen und somit unbürokratisch und kurzfristig tätig werden zu können.[4]

DigitalService4Germany ging ursprünglich aus einer studentischen Initiative hervor und wurde im September 2020 durch vollständigen Erwerb für einen Betrag von 30.000 € zu einer Beteiligung des Bundes.[5][6] Zuvor hatte der Digitalrat der Bundesregierung darauf gedrängt, dem Beispiel anderer Länder wie Großbritannien zu folgen, wo der Government Digital Service bereits seit 2011 gegründet wurde und aktuell ca. 800 Mitarbeitende beschäftigt.[7]

DigitalService4Germany ist dem Bundeskanzleramt angegliedert: Eva Christiansen ist als Leiterin der Abteilung 'Politische Planung, Innovation und Digitalpolitik sowie Stratiegische IT-Steuerung' Vorsitzende des Aufsichtsrats.[8]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Fellowship Programme[Bearbeiten]

Die Fellowship-Programme richten sich an Berufstätige aus den Bereichen IT, Produktentwicklung, Design, Transformation und New Work, die für einen beschränkten Zeitraum die Transformation der Verwaltung hin zu mehr Digitalisierung und neuen Arbeitsformen unterstützen wollen. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Bundesbehörden, die sich intern für die Weiterentwicklung der Verwaltung einsetzen, arbeiten die Fellows an konkreten Herausforderungen der Verwaltung. In interdisziplinären Teams werden innerhalb von drei Monaten mit agilen und nutzerzentrierten Methoden prototypische digitale Lösungen entwickelt. Schirmherr der Fellowship Programme ist seit Beginn der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun.[9]

Während bei Tech4Germany digitale Lösungen für zuvor gemeinsam erforschte Herausforderungen prototypisch entwickelt werden, begleitet Work4Germany mit agilen Methoden und modernen Arbeitsweisen Projekte, die auf eine Veränderung des Arbeitens in der Bundesverwaltung abzielen. Beide Programme sollen Nutzerzentrierung und Agilität im Verwaltungsalltag erfahrbar und umsetzbar machen.[10]

Beide Projekte werden von der Universität Konstanz, der Universität für Weiterbildung Krems und vom Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) im Rahmen eines Forschungsprojekts mit qualitativen Interviews und teilnehmenden Beobachtungen begleitet.[11]

Die Fellows werden für die Dauer ihres Einsatzes befristet bei DigitalService4Germany angestellt und als Arbeitnehmer an das jeweilige Bundesministerium im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung entsandt.[12]

Ausgeschlossen von der Teilnahme als Fellow sind Bewerber, die in Funktionen oder Organisationen tätig sind, die sich mit Interessenvertretung, Lobbying, politischer Kommunikation, Regulation, Vertrieb beschäftigen. Bei Angestellten von Unternehmen und Institutionen, zu denen die Bundesverwaltung in den letzten zwei Jahren Geschäftsbeziehungen unterhalten hat, erfolgt eine Risikoabschätzung unter Beteiligung der verantwortlichen Stelle für Korruptionsprävention.[12]

Tech4Germany[Bearbeiten]

Die Organisation des Fellowship-Programms Tech4Germany bildet den Ursprung der Initiative, aus der später der DigitalService4Germany wurde. Sogenannte „Tech-Talente“ sollen für drei Monate in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Bundesverwaltung Prototypen, arbeitsfähige Websites und Apps bauen. Dabei werden sie von Mentoren unterstützt. Das Ziel ist, „die Digitalisierung Deutschlands voranzutreiben und dabei von- und miteinander zu lernen“. Das dreimonatige Programm findet ein Mal pro Jahr in der zweiten Jahreshälfte statt und wurde seit 2018 jedes Jahr durchgeführt. Schirmherr des Programms ist der des Chefs des Bundeskanzleramtes Helge Braun.

Die Auswahl der Projekte erfolgt nach den drei Kriterien 'Wirkung' (Wie stark profitieren Bürger und Nutzer von dem Produkt?), Umsetzbarkeit (Wie realistisch erscheint eine Umsetzung direkt nach dem Fellowship?) und Offenheit (Wie groß ist der Lösungsspielraum innerhalb des Projekts und ist eine Open Source Lösung möglich?).

Der erste Jahrgang startete im Juni 2018 mit neun Fellows, die an zwei Projekten arbeiteten. 2019 arbeiteten 27 Fellows an sechs Projekten, 2020 arbeiteten 32 Fellows mit 11 Bundesbehörden zusammen[13] und 2021 arbeiten 28 Fellows an sieben Projekten.[14]

Von 2018 bis 2021 haben insgesamt 96 Fellows an dem Programm teilgenommen.

Work4Germany[Bearbeiten]

Das Fellowship-Programm Work4Germany findet ebenfalls ein Mal jährlich statt und dauert sechs Monate. In dem Programm sollen „methodenstarke Macher:innen aus der Privatwirtschaft mit engagierten Mitarbeiter:innen der Bundesministerien“ zusammengebracht werden. Während des Fellowships arbeiten die Tandems gemeinsam an bereichsübergreifenden Herausforderungen, gestalten Arbeitsabläufe neu und setzen einen Fokus auf iterative und methodische geprägte Arbeitsweisen.[14]

Der erste Jahrgang startete im Mai 2020 mit 10 Fellows, darunter auch Lilith Wittmann[15]. In 2021 wurden 20 Fellows aus 130 Bewerbern ausgewählt, die in 22 Projekten mit insgesamt über 30 Tandem-Partnern zusammenarbeiten.[16]

Digitale Projekte[Bearbeiten]

  • Initiierung und Organisation des #WirVsVirus Hackathons der Bundesregierung mit 28.000 Teilnehmerinnern und Teilnehmern.[17] An der Abschlussveranstaltung nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun, Staatsministerin Dorothee Bär und Bundesministerien Anja Karliczek teil.[18]
  • Steuerlotse für Rente und Pension[19]

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Die Führung von DigitalService4Germany liegt bei Christina Lang als CEO und Philipp Möser als COO. Christina Lang ist eine der drei Mitbegründer der Initiative. Sie hatte nach ihrem Jura- und BWL-Studium gut zwei Jahre für McKinsey als Managementberaterin gearbeitet und war unter anderem an Projekten in der Verwaltung beteiligt.[20] Philipp Möser ist der ehemalige Technik-Chef des Berliner Games-Entwicklers Wooga.[21]

Die Belegschaft war im Juni 2021 auf 35 Personen angewachsen.[22] Bis zum Jahresende 2021 sollen 50 festangestellte Mitarbeitende für DigitalService4Germany arbeiten.[23] Perspektivisch sind bis zu 100 fest angestellte Mitarbeitende geplant.[7]

Bei der Übernahme von DigitalService4Germany durch den Bund war die Möglichkeit der marktgerechten Vergütung von Mitarbeitern eine Herausforderung. Um ausufernden Kosten entgegenzuwirken, besteht das Finanzministerium bei Bundesbeteiligungen in der Regel darauf, dass die Gehaltsstrukturen aus dem Öffentlichen Dienst Anwendung finden. So zählt für den Staat bei bei der Frage, wie er seine Angestellten vergütet, bislang vor allem die formale Qualifikation, also z. B. der Universitätsabschluss im Fach Informatik. Dass sich aber jemand das Programmieren schon als Teenager selbst beigebracht hat, ist in der Vergütungslogik des Bundes bisher irrelevant. Wegen der großen Konkurrenz am Arbeitsmarkt um solche Arbeitskräfte ist diese Einschränkung für diejenigen aufgehoben, die im DigitalService4Germany „mit der Erstellung von Software-Produkten befasst sind“, also etwa für die Entwickler und UX-Designer.

Auch von der Erstellung vergleichsweiser starrer jährlicher Personalstellenplänen ist DigitalService4Germany befreit. Damit ist die nötige Flexibilität gewährleistet, um auch unterjährig und in Abhängigkeit von der Entwicklung der Auftragslage flexibel Personal auf- und abbauen können und dabei die eigenen Verwaltungsstruktur schlank zu halten. Dies ermöglicht auch kurzfristige und zeitlich befristete Beschäftigungen.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die weitere Budgetplanung für die kommenden Jahre sieht einen hohen einstelligen Millionenbetrag für den Digital Service vor, mit dem größtenteils Gehälter und andere Fixkosten finanziert werden sollen.[24]

Die neue GmbH wird mit einem Startkapital in Höhe eines hohen einstelligen Millionenbetrags durch den Bund ausgestattet; anschließend soll sie sich spätestens nach vier Jahren selbst tragen durch die Entgelte, die sie für ihre Softwareprodukte von den Auftraggebern erhält. Sie soll dabei projekt- beziehungsweise auftragsbasiert arbeiten und daher konjunkturabhängig agieren können.[24]

Verzahnung mit anderen Initiativen zur Digitalisierung der Verwaltung[Bearbeiten]

Neben DigitalService4Germany gibt es weitere Akteure, die sich für die Modernisierung der Verwaltung engagieren. Hierzu gehört unter anderem die Projektgruppe 'Digital Innovation Team' im Bundesinnenministerium, der Digitalrat, die sogenannte föderale IT-Kooperation (FITKO) sowie das Creative Bureaucracy Festival.

DigitalServices4Germany unterstützt die Vernetzung dieser Aktivitäten.

Kritik[Bearbeiten]

Eine Anfrage auf der Onlineplattform FragDenStaat an das Bundeskanzleramt nach den Zielen und der Erfolgskontrolle für DigitalServices4Germany von Januar 2021 wurde bisher nicht beantwortet, obwohl die Frist dazu im Februar abgelaufen ist.[25]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • E-Government
  • Digitale Souveränität
  • Liste privatrechtlicher Unternehmen mit Bundesbeteiligung in Deutschland

Medien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcel Grzanna: DigitalService4Germany: Die Lückenstopfer. Tagesspiegel Background, 8. Oktober 2021, abgerufen am 21. Oktober 2021 (deutsch).
  2. Gesellschaftsvertrag der DigitalService4Germany GmbH. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
  3. Sonja Álvarez: Digitalisierung: Digital-Debakel: Bringt ein Digitalministerium die Rettung? Wirtschaftswoche, 19. März 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  4. Aufgaben der DigitalService4Germany GmbH. Deutscher Bundestag, 20. Januar 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  5. Kaufvertrag zwischen Bund und bisherigen Eigentümern. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
  6. Die Ausgabe für den Erwerb der Gesellschaft ist im Bundeshaushalt 2021 im Einzelplan 04 (Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt) bei Kap. 0410 Tit. 831 01 etatisiert.
  7. 7,0 7,1 Lina Rusch, Matthias Punz: Entwickeln für den Staat. In: Der Tagesspiegel Online. 16. September 2020, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2021]).
  8. Website von DigitalService4Germany, Abschnitt 'Über Uns'. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
  9. Bundesregierung.de. Deutsche Bundesregierung, 15. Oktober 2020, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  10. Carina Kontio: Interview Christina Lang: „Finanzieller Erfolg allein ist keine Daseinsberechtigung“. Handelsblatt, 4. September 2020, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  11. Begleitforschung Work4Germany & Tech4Germany | Projekte | Hürdenspringer | Hürdenspringer | Digital Governance Lab | Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft. Uni Konstanz, Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften, Digital Governance Lab, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  12. 12,0 12,1 Transparenzrichtlinien von DigitalService4Germany. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
  13. Matthias Punz: Work4Germany: Start-up trifft wieder auf Verwaltung. Tagesspiegel Background, 19. April 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  14. 14,0 14,1 Startseite der Homepage von Tech4Germany. Abgerufen am 17. Oktober 2021 (deutsch).
  15. Jahrgang 2020. In: Work4Germany. Abgerufen am 18. Oktober 2021 (deutsch).
  16. Jahrgang 2021. In: Work4Germany. Abgerufen am 17. Oktober 2021 (deutsch).
  17. Aufbruch Award – Der Award für digitale Wegbereiter | Christina Lang. Süddeutsche Zeitung + Google, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  18. Website der Gesellschaft. Abgerufen am 2. November 2021.
  19. Digital Service – Der Steuerlotse für Rente und Pension. Abgerufen am 12. Oktober 2021.
  20. Vita von Christina Lang. In: Referentin des Vortrags 'Digital Move: Was bewegt sich in der Verwaltung?' CDU/CSU Bundestagsfraktion, 4. November 2020, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  21. Referent Philipp Möser (DigitalService4Germany). In: Zukunftskongress Staat&Verwaltung. Bundesministerium des Inneren, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  22. Sarah Heuberger: Sie baut ein Startup innerhalb der Bundesregierung auf – kann das funktionieren? 29. Juni 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021 (deutsch).
  23. Liste der häufigen Fragen. In: Homepage von DigitalService4Germany. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
  24. 24,0 24,1 Bund gründet eigene Software-Schmiede. Deutsche Bundesregierung, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  25. Ziele und Erfolgskontrollen für die DigitalService4Germany GmbH. FragDenStaat.de, abgerufen am 22. Oktober 2021.


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