Welcome to EverybodyWiki 😃 ! Nuvola apps kgpg.png Log in or ➕👤 create an account to improve, watchlist or create an article like a 🏭 company page or a 👨👩 bio (yours ?)...

Klaus-Dieter Flick

Aus EverybodyWiki Bios & Wiki
Wechseln zu:Navigation, Suche



Klaus-Dieter Flick (* 1937 in Deutschland) ist ein deutscher Rechtsanwalt und wohlhabender ehemaliger Finanzmakler[1] sowie NS-Militaria-Sammler und -Händler aus Kitzeberg, einem Villenvorort von Heikendorf an der Kieler Förde. Flick wurde 2015 international bekannt durch die Affäre um den in einer Ehrenhalle in seiner Tiefgarage aufgestellten Wehrmachtspanzer. Zeitungsmeldungen über die Affäre gingen um die Welt und wurden u.a. in der New York Times[2], der Washington Post[3] sowie in Le Monde [4] und The Guardian (London) [5] veröffentlicht.

Fahndung nach Nazi-Kunst[Bearbeiten]

'Schreitende Pferde', Gartenfront, Reichskanzlei, Berlin, 1939

Die ‚Panzer-Affäre‘ entzündete sich an der Fahndung nach zwei überlebensgroßen NS-Bronzestatuen, den „Schreitenden Pferden“, die bis 1945 die Eingangstreppe an der Gartenfront zur Reichskanzlei Adolf Hitlers in Berlin flankierten. Die Pferde hatte der nationalsozialistische Bildhauer Josef Thorak 1939 für die Neue Reichskanzlei geschaffen.[6] Nach Kriegsende und dem Abriss der Reichskanzlei 1947-48 lagerten die Skulpturen jahrzehntelang auf dem sowjetischen Stützpunkt Eberswalde bei Berlin. Danach galten sie als verschollen. Erst 2015 erregten 'Hitlers Pferde' wieder die Aufmerksamkeit von Fahndern des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz weil sie anscheinend zum Verkauf angeboten wurden. Auf dem Schwarzmarkt hätten sie lt. Schätzungen bis zu 8 Mio. Euro eingebracht, allein der Materialwert der tonnenschweren Bronzepferde wurde auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt.[6] Das LKA, unterstützt von dem niederländischen Kunstdetektiv Arthur Brandt, wurde bald fündig. Es beschlagnahmte die Skulpturen bei einem Unternehmer aus Bad Dürkheim.[7] Zuvor standen 'Hitlers Pferde' nach Aussagen von K.D. Flick zwei Jahre lang in seinem Garten, wo sie auch für die Öffentlichkeit weithin sichtbar waren.[8]

Neben den Pferde-Skulpturen und Wehrmachts-Waffen ging es bei der Fahndung anscheinend auch noch um weitere NS-Kunst, z.B. eine NS-Statue mit dem Titel Die Wehrmacht (Schwertträger) von Arno Breker. Sie stand ursprünglich am zentralen Hauptportal im Ehrenhof der Reichskanzlei. Auch heute befindet sich eine solche Statue im Garten der Flick-Villa. Dabei handelt es sich allerdings – nach Aussagen von Flicks Rechtsanwalt Peter Gramsch – um eine Kopie.[7]

Die Panzer-Affäre[Bearbeiten]

Panzer V (Panther), "Musée des Blindés" (Frankreich)

Nachdem die Pferde-Skulpturen von der Polizei in Dürkheim beschlagnahmt wurden, fahndete die Staatsanwaltschaft weiter nach Hehlern, die möglicherweise an dem Verkauf der Nazi-Kunst beteiligt waren. Dabei stieß sie auf K.D. Flick, der jedoch eine Beteiligung an der Verkaufsaktion abstritt. Bei der Durchsuchung seines Anwesens fand die Polizei in seinem in den Zeiten des Kalten Krieges gebauten, mit NS-Insignien ausgestatteten Atomschutzbunkers neben einem zwei Meter breiten und fünf Meter langen, 43 Tonnen schweren ‘Panther' Panzer ein ganzes Waffenlager: u.a. ein 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz, ein Torpedo, einen Mörser, Maschinen- und Sturmgewehre, halb- und vollautomatische Pistolen und ca. 1.000 Schuß Munition.[9][10]

Deutsche Reichsflagge

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelte seit 2017 gegen den mittlerweile (2020) 83 Jahre alten Eigentümer des Panzers. Laut Medienberichten klagte sie ihn wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und Waffenrechtsnormen an.[9][11] Der ‚Panther‘ wurde im Mai 2015 in einer aufwendigen, zwei Tage andauernden Bergeaktion mit Hilfe eines BW-Bergepanzers aus der Tiefgarage des Hr. Flick geborgen, beschlagnahmt und auf den Truppenübungsplatz Putlos verbracht, um ihn auf seine angebliche Demilitarisierung zu untersuchen. Der Beschuldigte gab an, alle Waffen ordnungsgemäß angemeldet zu haben. Gemäß einer Bescheinigung des Kreises Plön vom 31. Oktober 2005 habe der Panzer zudem seine "Kriegswaffeneigenschaft" verloren. Die damals zuständige Oberstaatsanwältin Birgit Heß bekundete hingegen, der Staatsanwaltschaft liege keine Genehmigung vor, die den Mann zum Besitz der beschlagnahmten Objekte berechtige.[9]. Im laufenden Strafprozess gegen K.D. Flick stellte sich 2021 zudem heraus, dass Flick die Panzerkette, einige Wochen nach der Entdeckung des Panzers auf seinem Anwesen über seine Ehefrau an einen Käufer in den USA für € 300.000 verkaufte [12].

Schild an der Grundstücks-Pforte, 2015
Gesichertes Flick-Grundstück, Seeseite, 2020

Die Staatsanwaltschaft untersuchte in diesem Zusammenhang auch Anschuldigungen, gemäß derer der Panzereigentümer bei der Restaurierung des ‚Panther‘ eng mit Dienststellen bzw. Angehörigen der Bundeswehr zusammen arbeitete. Das Verteidigungsministerium bestätigte 2015, dass Experten der Bundeswehr den Panzer aus der Privatsammlung des Hr. Flick mit Hilfe der Wehrtechnischen Dienststelle (WID 41) in Trier, des Panzermuseums in Munster, und der Wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) der Bundeswehr in Koblenz fahrbereit gehalten haben. Der Eigentümer aus Heikendorf habe für diese Unterstützungsleistungen ordnungsgemäß 28.317 € gezahlt.[11] Davon unabhängig soll angeblich bereits in den 1970er Jahren - Jahrzehnte vor der Affäre um die Restaurierung des ‚Panther‘-Panzers 2015 - ein Mitarbeiter des Marine-Arsenals, Kiel, über Jahre freigestellt worden sein, um einen aus den Dünen in Flandern geborgenen, eingerosteten Panzermotor (vermutlich eines ‚Tiger‘-Panzers) im Auftrag K.D. Flicks im Marine-Arsenal Kiel zu restaurieren [13]. Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass es für die Heikendorfer Bevölkerung und Behörden ein offenes Geheimnis war, dass Flick schon seit Jahrzehnten im Besitz mehrerer Panzer und anderer Waffensysteme der Wehrmacht war. Der jetzt abtransportierte ‚Panther‘ soll im übrigen lt. einer Dokumentation des NDR-TV von 1985 mit eigener Kraft und auf Ketten in die Tiefgarage eingefahren sein.[14]

In den Jahrzehnten davor besaß K.D. Flick augenscheinlich weitere Panzer. Unter anderem fuhr er einen Wehrmachtspanzer mit dem er während der Schneekatastrophe 1979 in Kitzeberg mithalf, die Straßen für Noteinsätze zu räumen [15]. Auch leistete er wohl Nachbarschaftshilfe, wenn er Baumstümpfe mit einem Panzer aus der Erde zog. In seiner Nachbarschaft war er daher angesehen. Andererseits sollen, laut Aussagen einer Anwohnerin, augenscheinliche Neo-Nazis, die ein Hakenkreuz am Hals trugen, auch schon einmal eine Ladung Torpedos abgeholt haben, ohne dass dies den Behörden oder den Anwohnern bedenklich erschien. In den 1970er Jahren wurden zudem Panzer laut Zeitzeugen des öfteren aus Flicks Tiefgarage herausgefahren, um die Motoren nicht einrosten zu lassen, das Röhren der Motoren soll weithin zu hören gewesen sein. An der Eingangspforte des Grundstücks befand sich bis 2015 ein Schild „Deutsche Schutzgebiete“ und am Fahnenmast wehte die deutsche Reichsflagge [16]. Das Grundstück ist zudem durch Überwachungskameras und eine Betonmauer mit Stacheldrahtumzäunung zur Seeseite hin gesichert. Letztere ist wegen ihrer großen Ausdehnung seit jeher beliebte Projektionsfläche für politische Losungen von Aktivisten. In den 1970er Jahren stand hier in mannshohen Lettern, so daß es auch von vorbeiziehenden Passagierfähren und Kreuzfahrschiffen gut zu lesen ist: „Dies KZ ist all min“, heute steht dort: „Climate Justice“.

Angesichts der maßgeblichen Beteiligung des Flick-Imperiums unter Führung von Friedrich Flick an dem Ausbau der NS-Rüstungsindustrie, aus der nach Kriegsende der Düsseldorfer Flick-Konzern als die größte Unternehmensgruppe Deutschlands in Familienbesitz bis 1985 hervorging, deren Produktpalette vom Panzer bis zur Badewanne reichte [17], mag auch das Faibel für Wehrmachtspanzer von K. D. Flick, der übrigens mit der Friedrich Flick Familie nicht verwandt sein soll, verständlich erscheinen.

Der Gerichtsprozeß in der Panzer-Affäre von 2015 am Landgericht Kiel zögerte sich immer weiter hinaus, weil die Strafkammer überlastet war und noch Fragen zu klären waren. Nach einem sechsjährigen Verfahren gegen den inzwischen 84-jährigen 'Militarisammler' erging am 3. August 2021 ein relativ mildes Urteil. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt – wegen unerlaubten Besitzes von Waffen, Munition und Sprengstoff. Wegen rechtswidriger Verfahrensdauer galten vier Monate davon als verbüßt. K.D. Flick musste außerdem 250.000 Euro Strafe zahlen. Strafmildernd werteten die Richter sein hohes Lebensalter, fehlende Vorstrafen und sein Geständnis. Der Verurteilte muss den Panzer und die Flugabwehrkanone binnen zwei Jahren abgeben sowie auf eine Entschädigung, etwaiges Schmerzensgeld sowie die Rückgabe von Waffen und Munition verzichten. Flick's Anwalt Goecke freute sich und war zufrieden mit dem Urteil[18].

Anfang Juli 2021 stellt sich außerdem heraus, dass K.D. Flick mit einem weiteren 48 Jahre alten ‚Waffennarr‘ aus dem Kiel als ‚Nennonkel‘ verwandt und eng befreundet ist. Letzterer lebt im Nobelviertel Düsternbrook nahe der Kieler Förde. Er geriet bereits 1997 ins Visier der Polizei, als sie bei ihm Waffen aus Wehrmachtsbeständen beschlagnahmte. Zudem ereignete sich am 17. August 2020 in seinem Haus eine heftige Explosion, die die Berufsfeuerwehr auf den Plan rief. Die Polizei verdächtigte den Waffen- und Militaria-Sammler mit Sprengstoff hantiert zu haben, konnte ihm aber nichts nachweisen. Nun geht die Kieler Staatsanwaltschaft dem Anfangsverdacht nach, dass die beiden ‚Waffennarren‘ Gehilfen eines ehemaligen Zahnarztes aus Westensee waren, der sechs Wochen zuvor in Dänischenhagen und Kiel drei Menschen ermordete. Er soll die Tatwaffen (u.a. eine israelische Maschinenpistole 'Uzi' über die beiden ‚Waffennarren‘ bezogen haben. Der 48-ährige Düsternbrooker soll zudem die Waffe nach der Tat zerlegt und heimlich an verschiedenen Stellen 'entsorgt' haben, u.a. in der Förde bei Möltenort, unweit des Wohnsitzes des K.D. Flick [19], [20], [21].

Literatur[Bearbeiten]

  • Sandra Dassler: Nazi-Kunst aus der Reichskanzlei – Rechtsstreit um Hitlers Bronzepferde. In: Der Tagesspiegel. 14. Dezember 2015 (tagesspiegel.de).
  • Roman Deininger, Friederike Zoe Grasshoff: Panzer im Keller – Schützenfest. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Juli 2015 (sueddeutsche.de).
  • Eckard Gehm: Nach Razzia in Heikendorf bei Kiel – Panzer in Villa: Bundeswehr half bei Instandsetzung. In: Kieler Nachrichten. 22. Juli 2015 (shz.de).
  • Sven Felix Kellerhoff: Zweiter Weltkrieg – Braune Kunst – Polizei findet Hitlers verschwundene Bronze-Pferde. In: Die Welt. 20. Mai 2015 (welt.de).
  • Justin Wm. Moyer, Lindsey Bever: Mystery of Hitler’s missing horse statues solved. The Washington Post, 21. Mai 2015 (washingtonpost.com).
  • RND/dpa (2020): Heikendorf: Prozess gegen Panzer-Sammler nicht vor Herbst. In: Kieler Nachrichten. 6. August 2020 (kn-online.de).
  • Alison Smale, Jesse Coburn: Sleuth Work Leads to Discovery of Art Beloved by Hitler. In: The New York Times. 25. Juni 2015 (nytimes.com).
  • Paul Wagner, Günter Schellhase: Polizei ermittelt gegen Kunstsammler – Hitlers Bronzepferde standen in Heikendorf. In: Kieler Nachrichten 24. Mai 2015 (kn-online.de).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Flick Finanz-Vermittlungs GmbH, lt. Branchenbuch-Eintrag
  2. Alison Smale, Jesse Coburn: Sleuth Work Leads to Discovery of Art Beloved by Hitler. In: The New York Times. 25. Juni 2015 (nytimes.com).
  3. Justin Wm. Moyer, Lindsey Bever: Mystery of Hitler’s missing horse statues solved. In: The Washington Post. 21. Mai 2015 (washingtonpost.com).
  4. M.C.: Allemagne: La police retrouve un tank de la Seconde guerre mondiale chez un particulier. Le Monde (Paris), 04/07/2015
  5. Nazi Panther tank and flak cannon seized in raid on collector in Germany. The Guardian (London), July 3, 2015
  6. 6,0 6,1 Sven Felix Kellerhoff: Zweiter Weltkrieg – Braune Kunst – Polizei findet Hitlers verschwundene Bronze-Pferde. In: ‘‘Die Welt.‘‘ 20. Mai 2015.
  7. 7,0 7,1 Sandra Dassler: Nazi-Kunst aus der Reichskanzlei – Rechtsstreit um Hitlers Bronzepferde. In: ‘‘Der Tagesspiegel.‘‘ 14. Dezember 2015.
  8. Paul Wagner, Günter Schellhase: Polizei ermittelt gegen Kunstsammler – Hitlers Bronzepferde standen in Heikendorf. In: Kieler Nachrichten. 24. Mai 2015.
  9. 9,0 9,1 9,2 Roman Deininger, Friederike Zoe Grasshoff: Panzer im Keller – Schützenfest. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Juli 2015.
  10. Heikendorf: Prozess gegen Panzer-Sammler nicht vor Herbst. In: Kieler Nachrichten. 6. August 2020.
  11. 11,0 11,1 Eckard Gehm: Nach Razzia in Heikendorf bei Kiel : Panzer in Villa: Bundeswehr half bei Instandsetzung. In: Kieler Nachrichten. 22. Juli 2015 (shz.de).
  12. Geyer, Thomas (2021): Panzerkette brachte 300.000 Euro ein. Kieler Nachrichten, 9 Juli 2021
  13. Aussagen eines Zeitzeugen, 1979
  14. Oliver Nephuth: Oh weh, Herr Flick hat Ärger Facebook, 1. Juli 2015.
  15. Quelle: Aussagen einer Zeitzeugin aus Kitzeberg
  16. Oliver Nephuth: Oh weh, Herr Flick hat Ärger Facebook, 1. Juli 2015.
  17. dpa (2006): Das einstige Flick-Imperium. Frankfurter Allgemeine Zeitung, faz.net, 6. Oktober 2006
  18. 'Bewährungsstrafe für Senior - Weltkriegspanzer im Keller – 84-jähriger Waffenfan bekommt mildes Urteil'. stern.de, 3 August 2021, o. A.
  19. Behling, Frank (2021): Tödliche Schüsse – Helfer verwandt mit Panzersammler. Kieler Nachrichten (KN), 3 Juli 2021, S. 1
  20. Behling, Frank (2021): Dreifachmord – Wer half dem Helfer? Kieler Nachrichten (KN), 3 Juli 2021, S. 13
  21. Geyer, Thomas (2021): Panzerkette brachte 300.000 Euro ein. Kieler Nachrichten, 9 Juli 2021


Diese artikel "Klaus-Dieter Flick" ist von Wikipedia The list of its authors can be seen in its historical and/or the page Edithistory:Klaus-Dieter Flick.