Sottorealismus

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Der Begriff Sottorealismus (von sotto italienisch für „unterhalb“ oder „unter“ lateinisch realis „die Sache betreffend“; res: „Sache, Ding“) bezeichnet einen ästhetischen Ansatz in der Malerei, Fotografie und Literatur.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Die amerikanische Kunsthistorikerin Carol Strickland (geb. 1946) verwendete erstmals den Begriff Sottorealismus oder sottorealism in einem 2006 erschienenen Aufsatz unter der Überschrift „Detour as a Route to Unity and Order“ (Der Umweg als Weg zur Einheit und Ordnung) verfasste. In diesem Text, der eine Auseinandersetzung mit der Bilderwelt des deutsch/griechischen Malers Aris Kalaizis darstellt, begründet sie ihren Neologismus:

„Strotzend vor Doppeldeutigkeit versprechen seine Bilder zu enthüllen, was sie doch verbergen. Aber selbst bei genauer Untersuchung sind ihre vielfältigen Bedeutungsschichten unerschöpflich. Vielleicht ist ein neuer Begriff für die Beschreibung seiner Arbeit bezeichnender als die Begriffe Realismus oder Surrealismus. An Stelle von sur, dies bedeutet über oder oberhalb, ist Sottorealismus hier passender. Sotto (unterhalb oder unter) weist auf die in einer Farbe verborgenen Geheimnisse hin, die unter der Oberfläche der Geschichte vergraben sind.“[1]

Konzept[Bearbeiten]

Anstatt eine surreale Überwelt zu malen, interessiere es den Sottorealisten, unter die Oberfläche des Realen zu gelangen. Da der Traum an sich kein schöpferischer Akt sei sowie die Verwendung eines noch so scharfen Objektives kein hintergründiges Bild des Realen zu vermitteln versteht, ist für den Sottorealisten zunächst die Wahrnehmung des Gegebenen wichtiger als die bloße, vom Traum hervorgerufene Vorstellung. Der Sottorealist erkennt die in der empirischen Wirklichkeit wirkenden Kräfte (etwa des Traums, der Erinnerung, des Numinosen) und verschafft in seinen Arbeiten diesen der Wirklichkeit zu Grunde liegenden Kräften Geltung, indem er sie als sichtbare und erfahrbare Dimension ins Werk einführt.

Um hinter die Erscheinung der Dinge zu gelangen, konstruiert der Sottorealist ein Modell, dem er sich durch intensive Anschauung annähert, bevor er in den Bereich einer veränderten, einer verschobenen Welt gelangt.

Verfahren[Bearbeiten]

Aufbauten zum Bild „Das Blumenhaus“ von Aris Kalaizis (2011). Die Schauspielerin Andrea Sawatzki beim Set zum Bild

In der Ausführung gehören zu diesem konzeptionellen Ansatz umfangreiche reale Aufbauten und Modelle. Diese können im öffentlichen Raum, in freier Natur oder im Atelier stattfinden. Sie sollen das, was sich dem Künstler als Inbild gibt, unter realen Bedingungen auf den Prüfstand stellen. So wird der Prozess des Aufbaus eines Modells unter Einbeziehung von beispielsweise Schauspielern oder lebenden Tieren zu einem Bestandteil des Kunstwerks.

In der Malerei hat sich Aris Kalaizis als erster Maler dieses Konzept angeeignet und auch Aufbauten sowie Modelle im Vorfeld zur Arbeit an der Staffelei gefertigt.

Vertreter[Bearbeiten]

Prominente Sottorealisten sind der kanadische Fotograf Jeff Wall,[2] der finnische Fotograf Ilkka Halso[3] sowie der Amerikaner Gregory Crewdson.[4] Außerdem wird der deutsche Fotograf Thomas Demand dem Sottorealismus zugerechnet.[5]

In der Malerei ist dieser Ansatz bisher einmalig und wird von dem griechischstämmigen Leipziger Maler Aris Kalaizis verwendet.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carol Strickland,Detour as a Route to Unity and Order, in: Rubbacord, Bielefeld 2006 S. 9–13.
  • Paul-Henri Campbell (Hrsg.), Sottorealism, Petersberg 2013.
  • Jean-Christophe Ammann (Hrsg.): Jeff Wall: The Storyteller. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-88270-467-5. (Werkbesprechung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. aus: Aris Kalaizis im Gespräch mit Carol Strickland_Katalog 'Rubbacord'_Kerber-Vg._S. 12
  2. Rolf Lauter: Jeff Wall. Figures & Places_Ausgewählte Werke von 1978 bis 2000, München/London/New York 2002
  3. The Helsinki School, Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2007
  4. Stephan Berg: Gregory Crewdson 1985–2005 Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2005
  5. Nationalgalerie, Steidl Mack, Göttingen 2009.
  6. Making Sky, Monografie mit Werkverzeichnis (1995–2009). Hirmer-Verlag, München 2009


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