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Concept Creep

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Concept Creep bezeichnet laut Nick Haslam, einem Professor der Psychologie an der Universität Melbourne,[1] die Veränderung, bzw. Ausdehnung von psychologischen Konzepten.[2]

Haslam unterscheidet dabei zwischen zwei Formen. Die vertikale Expansion tritt auf, wenn die Bedeutung eines Konzeptes gelockert und dadurch auch auf mildere Varianten des Phänomens zutrifft. Von einer horizontalen Expansion spricht man, wenn sich das Konzept auf neue Arten von Phänomenen erstreckt oder in neuen Kontexten verwendet wird. Diese Theorie wurde auf sechs Konzepte der Entwicklungspsychologie, der klinischen Psychologie und der Sozialpsychologie angewendet.[3]

Missbrauch[Bearbeiten]

Die klassische Psychologie unterschied zwischen zwei Formen des Missbrauchs. Körperlicher Missbrauch bezog sich auf die absichtliche Zufügung von Körperverletzung, während sexueller Missbrauch unangemessenen sexuellen Kontakt, einschließlich penetrativen Sex oder nicht-penetrative Belästigung, umfasste. Das Konzept des Missbrauchs unterlag in den letzten Jahrzehnten drei horizontalen Expansionen. Zum einen zählt dazu die Anerkennung emotionalen bzw. psychologischen Missbrauchs, welcher nicht auf Körperkontakt beschränkt ist, sondern unter anderem jede Form verbaler Aggression beinhaltet. Die zweite Erweiterung entstand durch die Ausdehnung des Missbrauch Begriffes auf das Verhalten zwischen Erwachsenen, anstatt der traditionellen Konzeption als ein Verhalten zwischen Erwachsenen und Kind. Die Einbeziehung von Vernachlässigung stellt die dritte horizontale Expansion dar.[3]

Mobbing[Bearbeiten]

Mobbing wurde ursprünglich durch drei Merkmale identifiziert: aggressives oder anderweitig negatives Verhalten einer oder mehrerer Personen gegenüber einem Kind, das absichtlich, repetitiv und im Kontext eines Ungleichgewichts von Macht stattfindet. Auch dieses Konzept wurde horizontaler Expansionen unterzogen. Eine Erweiterung entstand durch die Hinzunahme von Cyber-Mobbing. Auch findet der Begriff immer öfter Anwendung auf den Arbeitsplatz von erwachsenen Personen. Zudem wird mittlerweile auch das Ausschließen oder Ignorieren als Mobbing definiert.

Vertikale Expansion fand dahingegen im Bezug auf die Wiederholung statt. So gilt im Bereich Cyber-Mobbing teilweise schon ein einziges, beleidigendes Bild als Mobbing. Auch das Konzept des Mächteungleichgewichts wurde gelockert, sodass sich diese nicht mehr nur auf quantitative Werte wie Alter oder Größe, sondern auch auf Konzepte wie Beliebtheit oder Selbstbewusstsein bezieht. Durch die Ausweitung des Kriteriums der Absicht, wird nun das Gefühl des Opfers, gemobbt zu werden mehr in den Fokus gerückt als das Vorhandensein einer Absicht beim Täter.[3]

Trauma[Bearbeiten]

Ursprünglich als krankhafter Zustand infolge einer physischen Verletzung, umfasst der Begriff Trauma bereits seit 1980 auch psychische Varianten, wie Posttraumatische Belastungsstörung. Die Definition eines traumatischen Erlebnisses unterlag im DSM in den vergangenen 30 Jahren allerdings häufigen Erweiterungen.[3]

psychische Störung[Bearbeiten]

Die Anzahl der anerkannten psychischen Störungen im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) stieg von 106 im DSM-I (1952) zu 374 im DSM-V (2013)[4]. Diese Ausweitung ist nicht nur zurückzuführen auf die Verfeinerung und Differenzierung von Diagnosen, sondern auch auf die Erschließung neuer psychiatrischer Felder. Dadurch fallen laut DSM nun auch Phänomene, die früher als moralisches Versagen galten, in die Kategorie der psychischen Störungen. Die Kriterien zur Bestimmung der Grenze zwischen Normalität und psychischer Störung wurden in neueren Versionen des DSMs immer stärker gelockert.[3]

Sucht[Bearbeiten]

Eine Sucht kennzeichnete sich zuerst durch die Einnahme einer psychoaktiven Substanz. In den letzten Jahren wurden zusätzlich auch Verhaltenssüchte, wie die Spielsucht, anerkannt. Auch das Konzept der Schwere der Auswirkungen einer Abhängigkeit wurde erweitert, sodass Süchte, denen die für traditionellen Süchte typischen Merkmale wie Machtlosigkeit, Anhängigkeit oder Zwänge fehlen, ebenfalls in diese Kategorien fallen.[3]

Vorurteile[Bearbeiten]

Eine weit verbreitete Auffassung von Vorurteilen definiert diese als feindliche Gesinnung gegenüber einer Fremdgruppe. Neuere Auffassungen unterscheiden nun zwischen traditionellen Rassismus, der sich durch die Unterstützung ausdrücklicher Bigotterie auszeichnet und modernem Rassismus’, welcher eine Leugnung anhaltenden Rassismus und den Widerstand gegen Förderungsmaßnahmen beinhaltet. Außerdem wird es teilweise bereits als Vorurteil gewertet, wenn ein Ziel ein Affront als Beweis für Vorurteile bewertet, auch wenn dies möglicherweise andere Gründe hatte. Auch erfuhr das Konzept durch das Einbeziehen von Sexualität, Religion o.ä. als mögliche Gründe für Vorurteile eine horizontale Expansion.[3]

Auswirkungen[Bearbeiten]

negative Konsequenzen[Bearbeiten]

Concept Creep zieht einige gesellschaftliche und politische Auswirkungen nach sich[5] . Zum einen kann eine solche Ausdehnung einen zunehmenden Mangel an Konsens in moralischen Fragen und eine größer werdende Zahl von Fällen, die moralisch mehrdeutig oder anfechtbar sind, zur Folge haben. Des Weiteren könnte die Ausweitung von Konzepten zur sozialen und politischen Polarisierung beitragen. Haslam verweist in diesem Zusammenhang auf die Phänomene des "Dyadic Looop"[6] und des "Moral Typecasting"[7]. Zudem führt Concept Creep zur Erweiterung des Spektrums, der als unannehmbar schädlich eingestuften Äußerungen und verstärkt damit den Ruf nach Redebeschränkungen. Zuletzt besteht die Möglichkeit, dass durch die Ausweitung der als schädlich wahrgenommenen Phänomene, sich auch die Bandbreite der Menschen vergrößert, die von Schaden betroffen sind und die sich dadurch als geschädigt oder schädlich identifizieren können, wodurch die eigene Identität geschädigt werden könnte. [8]

positive Konsequenzen[Bearbeiten]

Erstens entstehen durch die schleichende Begriffsbildung die Chance, die Aufmerksamkeit auf Probleme zu lenken, die zuvor übersehen wurden. Zweitens kann Concept Creep dazu beitragen, schädliche Praktiken verhindern, indem soziale Normen geändert werden. Schließlich kann die Ausweitung der negativen Konzepte in der Psychologie dazu motivieren, die mit den neu kategorisierten Verhaltensweisen verbundenen Schäden zu verhindern oder zu verringern.[8]

Kritik[Bearbeiten]

Michele Cascardi und Cathy Brown befassten sich 2016 kritisch mit Haslams Theorie. Sie erkannten an, dass Haslam mit seiner Theorie einen eindeutigen Trend in der modernen Psychologie beschreibt und schließen sich seiner Kritik an unklarer Definitionen und falscher Bewertungen an. Weiterhin kritisieren sie jedoch Haslams Tendenz zur negativen Sicht und die daraus resultierende Fehlen der Unterscheidung zwischen Concept Creep und bedeutungsvoller Erweiterung. Sie unterstreichen, dass die Förderung einer sinnvollen und empirisch Erweiterung bei gleichzeitigem Widerstand gegen eine schleichende Entwicklung, zu differenzierterem und vollständigerem Verständnis von wichtigen psychologischen Konzepten führen kann.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Prof Nick Haslam. Abgerufen am 3. Februar 2022.
  2. "Ist der Mensch auf Trübsinn geeicht." In: "Spektrum der Wissenschaft", 3. Dezember 2018, abgerufen am 5. Februar 2022.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Nick Haslam: Concept Creep: Psychology's Expanding Concepts of Harm and Pathology. 12. Februar 2016, abgerufen am 3. Februar 2022 (english).
  4. Thilo Spahl: Die Inflation der Verletzlichkeit. Sind wir alle Opfer? Abgerufen am 3. Februar 2022.
  5. "Sorry bin traumatisiert. Mein Haar sitzt nicht." In: "Die Welt", 1. September 2016., abgerufen am 5. Februar 2022.
  6. Chelsea Schein, Kurt Gray: Moralization and Harmification: The Dyadic Loop Explains How the Innocuous Becomes Harmful and Wrong. In: Psychological Inquiry. Band 27, Nr. 1, 2. Januar 2016, ISSN 1047-840X, S. 62–65, doi:10.1080/1047840x.2016.1111121 (tandfonline.com [PDF; abgerufen am 4. Februar 2022]).
  7. Kurt Gray, Daniel M. Wegner: Moral typecasting: Divergent perceptions of moral agents and moral patients. In: Journal of Personality and Social Psychology. Band 96, Nr. 3, 2009, ISSN 1939-1315, S. 505–520, doi:10.1037/a0013748 (apa.org [abgerufen am 4. Februar 2022]).
  8. 8,0 8,1 Nick Haslam, Brodie C. Dakin, Fabian Fabiano, Melanie J. McGrath, Joshua Rhee: Harm inflation: Making sense of concept creep. In: European Review of Social Psychology. 22. Juli 2020, ISSN 1046-3283, doi:10.1080/10463283.2020.1796080 (tandfonline.com [abgerufen am 4. Februar 2022]).
  9. Michele Cascardi, Cathy Brown: Concept Creep or Meaningful Expansion? Response to Haslam. In: Psychological Inquiry. Band 27, Nr. 1, 2. Januar 2016, ISSN 1047-840X, S. 24–28, doi:10.1080/1047840x.2016.1111123 (tandfonline.com [PDF; abgerufen am 4. Februar 2022]).


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